Ursache und Wirkung

Das Konzept von Ursache und Wirkung ist in allen Kulturkreisen, Wissenschaften und Religionen enthalten. Es wird im Prinzip überall gleich verstanden, außer in den non-dualen Lehren wie zum Beispiel „Ein Kurs in Wundern“ oder Advaita-Vedanta.

Normalerweise, also in unserem weltlichen Alltag, glauben wir, dass ein Geschehen ein anderes verursacht/bewirkt. Eine Ursache führt zwangsläufig zu einer Wirkung und jede Wirkung hat zwangsläufig eine Ursache. Das kann ein zufälliges Geschehen sein, zum Beispiel wenn ein Ast vom Baum fällt, oder eine bewusste Handlung eines Menschen. Immer kann dies eine Ursache sein, die eine darauffolgende Wirkung hat. Diese Wirkung wird zumeist selbst zu einer Ursache, die weitere Wirkungen zur Folge hat.

So glauben wir zum Beispiel, dass bestimmte Worte eines anderen Menschen bestimmte Gedanken und Gefühle in uns bewirken: „Hätte er dies nicht zu mir gesagt, würde ich mich jetzt nicht so schlecht fühlen. Er ist die Ursache dafür!“ Was nichts anderes heißt, als dass wir dem anderen die Schuld geben. Ursache und Wirkung erscheinen uns in dieser Welt immer als zeitlich getrennt, sie folgen aufeinander. Eine endlose Abfolge von Ursachen und Wirkungen.

In Ein Kurs in Wundern heißt es aber, dass Ursache und Wirkung in Wahrheit bzw. im Himmel nicht getrennt sind, das heißt, sie geschehen gleichzeitig. So hat GOTT den SOHN erschaffen, obwohl sie eins sind. Zwar könne man nicht sagen, wo der eine aufhört und wo der andere beginnt, aber GOTT bleibt die Ursache, der SOHN die Wirkung.

Wie können wir das verstehen, wie können wir es in Bezug zu unserer alltäglichen Erfahrung setzen? Vielleicht indem wir uns bewusst machen, dass wir in dieser Welt gar keine Abfolgen von Ursachen und Wirkungen sehen, sondern nur Abfolgen von Wirkungen! Die Welt, die wir wahrnehmen und erleben, ist ein schier endloses Aufeinanderfolgen von Wirkungen. Wir sehen in der Welt keine Ursachen, es gibt einfach keine Ursachen darin.

Jede Ursache ist immer nur in unserem Geist. Wie in einem nächtlichen Traum, wo nur der Träumergeist die Ursache ist für die Abfolge von Wirkungen, also Geschehnissen, die er wahrzunehmen glaubt. Seine Wahrnehmung aber ist eine Projektion. Nein, es ist nicht so, dass der Geist materielle Dinge erschafft oder sie beeinflusst. Auch herrscht er nicht über die Materie. Denn dann wäre er wieder getrennt davon. Er ist eins mit den Dingen, eben weil sie nur von ihm (also von mir selbst) geträumt sind. Somit können wir sehen, dass die Einheit und Gleichzeitigkeit von Ursache und Wirkung nicht nur im Himmel, sondern auch in dieser Welt und in unserem Alltag gegeben ist.

Dies ist nicht die Wahrheit des Himmels, aber eine Wiederspiegelung davon. Im selben Moment, in dem ich etwas denke (Ursache), erscheint es vor mir (Wirkung), vielleicht als Gedanke, vielleicht als vermeintlich sinnliche Wahrnehmung. Im Prinzip ist es wie in einem Spiegel. Was immer ich davor tue, tut mein Spiegelbild ebenso, im gleichen Moment. Es geschieht synchron, und doch bin ich die Ursache und das Spiegelbild ist die Wirkung. Was natürlich nur eine Metapher ist 🙂.

Der Clou an der Sache ist, dass wir die Ursache grundsätzlich in unserem Geist und nicht in der Welt sehen; dass wir die Welt, also alle Menschen und Dinge, von Ursache und damit von Schuld freisprechen. Und das ist wahre Vergebung.

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