Wer ist der wahre Autor von „Ein Kurs in Wundern“?

Wer sich für das spirituelle Meisterwerk „Ein Kurs in Wundern“ interessiert, stellt sich meist recht schnell die Frage, wer dieses Buch nun eigentlich verfasst hat. Jesus oder Helen Schucman? Sie kann auf verschiedenen Ebenen beantwortet werden.

Der eigentliche Text (ohne Vorwort und Einleitung) ist in der „Ich-Form“ geschrieben. Dieses Ich behauptet, Jesus zu sein. Doch welcher Jesus? Der historische, der vor 2.000 Jahren gelebt und gewirkt haben soll? Oder eine Wiedergeburt von ihm? Oder ein anderer Jesus, ein Namensvetter und Gleichgesinnter?

Wenn man über die Hintergründe der Entstehung des Buches liest, erfährt man, dass die New Yorker Psychiaterin Helen Schucman dieses Werk aufschrieb, indem sie einer Art „inneren Stimme“ folgte, und doch beschrieb sie es ganz anders. Sie konnte diese innere Stimme jederzeit anhalten und dann wieder einschalten. Daher könnte man es wohl auch so interpretieren, dass Helen Schucman das Buch aus ihrem Unterbewusstsein schrieb. Seltsam war nur, dass sie sich nicht so recht damit identifizieren und eben nicht als Autor des Werkes genannt werden wollte.

Kenneth Wapnick, der große Kurs-Kenner und -Erklärer, schrieb, dass der Kurs durch Helen seine spezielle Form erhalten habe. So sind darin typisch psychologische Phänomene wie Verdrängung und Projektion, die im Werk von Sigmund Freud ausführlich dargelegt sind. Auch war Helen eine Verehrerin von William Shakespeare, und tatsächlich ähnelt der Kurs in seinem englischen Original der typischen Versform von Shakespeare. Und schlussendlich war sie zwar eine äußerst rationale Wissenschaftlerin, trug aber doch eine lang verdrängte, tiefe Gottessehnsucht in sich. Und so ist es kein Zufall, dass christliche Begriffe den Kurs prägen: Gott, Jesus, Heiliger Geist. Hinzu kommen weitere Begriffe wie Sühne, Vergebung, jüngstes Gericht, die aber hier eine gänzlich andere Bedeutung haben als in der Bibel. Soweit die Form des Kurses. Was aber den Inhalt angeht, so ist der laut Wapnick aus dem rechtgesinnten Geist von Helen Schucman entstanden. Für diesen rechtgesinnten Geist kann man ebenso den Begriff Jesus nehmen, der jetzt ein bloßes Symbol für die bedingungslose Liebe im rechtgesinnten Geist von Helen Schucman ist. Ein gleichwertiges Symbol ist der „Heilige Geist“.

Auf dieser Ebene also ist der Autor des Kurses etwas, das über die bloße Person hinausgeht. Sowohl über die Person von Helen als auch von Jesus. Der Autor ist der rechtgesinnte Geist, der ein Buch schreibt, das als solches zwar Illusion ist, wie alle Dinge in der Welt, das aber das Potential hat, uns aus allen Illusionen zu erwecken.

Auf einer noch tieferen Ebene aber ist es so, dass der rechtgesinnte Geist nicht etwas ist, das sich buchstäblich in einer Person, einem Menschen, befindet. Es ist eben nichts persönliches. Und so kann ich nur zu dem Schluss kommen, dass ich selbst es bin, der Ein Kurs in Wundern geschrieben hat. Nicht ich als Person, sondern ICH als projizierender Geist, als Träumergeist, der die gesamte Welt träumt. Verbunden mit dem rechtgesinnten Geist (dem HG) habe ICH dieses Buch geschrieben, um mich selbst aus dem Weltentraum zu erwecken. ICH träume dieses Buch, ICH träume Jesus, Helen, Ken usw. Sie alle sind auch nur Symbole für die Wahrheit, die die ganze Zeit in mir präsent ist. Der Name der Symbole ist ohne Bedeutung, es können ebenso Symbole aus anderen Kulturkreisen oder Religionen sein. Der Inhalt ist entscheidend.

Warum aber träume ich dann weiter meinen Weltentraum und warum leide ich darin? Warum nutze ich nicht dieses mein Symbol, um endlich aus dieser Welt zu erwachen? Weil da immer noch Widerstand ist. Dieser Widerstand ist nichts anderes als Angst. Und das Symbol für die Angst ist das Ego. Dieses sorgt dafür, dass ich den Inhalt des Kurses immer wieder auf Abstand halte, ihn bezweifle, ihn sabotiere, ihn missverstehe. Oder ich missbrauche seine Form, glaube, ihn verteidigen zu müssen und greife vielleicht sogar damit an.

Und doch – ohne diese geträumten Symbole, die auf die Wahrheit jenseits aller Begriffe und Konzepte verweisen, hätte ich vielleicht gar keine Ahnung, dass es eine andere Wahl als die Angst und das Ego gibt. Aber die Erinnerung an Gott, den Himmel, die Wahrheit ist in meinem Geist angelegt. Die Trennung konnte nie wirklich geschehen, die Verbindung blieb immer da. Es musste daher zwangsläufig so kommen, dass ich jene Symbole träume. Und mit Hilfe von ihnen kann ich mich jederzeit erinnern, was meine Wahrheit und mein Wesen ist: Stille, Frieden, Liebe.


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