Nichts hängt mit nichts zusammen

In spirituellen oder auch manchen wissenschaftlichen Kreisen wird gern gesagt, dass im Universum alles mit allem zusammenhänge. Alles sei ein gigantisches, universelles Ursache-Wirkungs-Geflecht. Ein Flügelschlag eines Schmetterlings könne am Ende einen Wirbelsturm weit entfernt auslösen, so lautet eine oft zitierte Aussage. So reizvoll und verbindend diese Vorstellung erscheinen mag – aus Sicht von Ein Kurs in Wundern (oder auch anderen non-dualen Lehren) stellt sich die Sache etwas spezieller dar.

In der Welt, die wir wahrnehmen, folgt eine Situation auf die andere. Aus einem Geschehen resultiert scheinbar das nächste. Dinge sind scheinbar Ursachen, die dann wieder zu Wirkungen werden, die wiederum die nächsten Wirkungen verursachen. Von manchen Dingen wiederum wird gesagt, dass sie zwar gleichzeitig oder nacheinander geschehen, aber kausal nichts miteinander zu tun haben. Sind sie nun unabhängig voneinander oder hängen sie dennoch irgendwie zusammen? Wenn sie zusammenhängen, müssen sie sich auch auf irgendeine Weise gegenseitig beeinflussen, also Wirkung ausüben.

Und da ist bereits der Knackpunkt. Aus Sicht von Ein Kurs in Wundern ist diese Welt der Traum des gespaltenen Geistes, von dem jeder sagen kann, dass er jener Geist ist. Und somit können in der Welt der Formen, die nur geträumt sind, keine Ursachen zu finden sein. Alles sind nur aufeinanderfolgende Wirkungen, deren einzige Ursache im gespaltenen Geist, also dem Träumergeist, liegt.

Es ist im Prinzip wie in einem Zeichentrickfilm. Auch dort scheinen einzelne Szenen die nächsten zu verursachen, aber in Wahrheit ist der ganze Film vom Projektor bzw. vom Regisseur projiziert. Und er ist bereits vollständig abgedreht. Und dasselbe passiert in dem, was wir „unser Leben“ oder „diese Welt“ nennen. Auch wenn der Eindruck, dass Dinge andere Dinge bzw. Personen andere Personen beeinflussen, also Wirkungen ausüben, fast übermächtig überzeugend ist.

All dies sind nicht nur hohle, metaphysische Grübeleien. Wenn wir uns wirklich klar machen, wenn wir verstehen und tief erspüren, dass draußen in der Welt keine Ursachen zu finden sind, dann erstatten wir dem Geist seine Ursächlichkeit zurück, wie es der Kurs ausdrückt. Und das heißt nichts anderes, als dass wir aufhören, Schuld nach Außen zu projizieren und uns als Opfer zu fühlen. Und das ist dann natürlich auch das Ende jeglicher Angst und jeglichen Leidens.

Dass wir nun alle Ursächlichkeit in unseren eigenen Geist zurücklegen, bedeutet aber nicht, dass wir die Schuldigen an den Dramen der Welt und an unserem persönlichen Drama sind. Konsequent verstanden ist es auch das Ende vom Konzept „Täter und Opfer“. Ich bin – als unpersönlicher Träumergeist – zwar verantwortlich für die gesamte Welt, aber nicht im Sinne von „schuldig“. Es heißt einfach, dass ich die Welt in mich selbst integriere, und damit verliert sie ihre Bedeutung, ihre Bedrohung, ihre Macht und ihre Realität. Und das lässt uns eine ungekannte Leichtigkeit und einen wirklichen Frieden erleben.

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