Denken ist wie Träumen

Wenn ich zuweilen meditiere, dann bemerke ich, dass Gedanken aufkommen und ich mich in ihnen völlig verliere. Es ist eigentlich genau wie in einem nächtlichen Traum, bei dem ich mich als Träumer des Traums völlig vergesse. Wenn ich mich beim Denken vergesse, ist es, als würde ich einen Tagtraum träumen und mich selbst dabei als Tagträumer vergessen.

Das Merkwürdige ist, dass das Vergessen blitzschnell geschieht. So als würde ich einschlafen. Und tatsächlich ist es eine Art Einschlafen, denn ich bin dann meiner selbst nicht mehr gewahr. Ich wandere wie im Traum – oder sollte ich sagen: wie ein Schlafwandler? – in meiner Gedankenwelt umher und bin davon höchst fasziniert.

Das Erinnern geschieht dann genauso schnell und irgendwie mysteriös. An einem ganz bestimmten Punkt kippt etwas in mir, in meinem Geist, und meine Aufmerksamkeit geht von außen nach innen, ich erwache zu mir selbst. Und ich erinnere mich, dass ich es ja bin, der diese Gedanken denkt und der eigentlich meditieren wollte. Und immer an diesem Punkt, verlieren meine Gedanken ihre Anziehungskraft und ihre Macht. Ab dem Zeitpunkt können sie mich nicht mehr verführen, umschmeicheln, ängstigen, terrorisieren. Sie sind, was sie sind: einfach nur meine Gedanken.

Was wir als nächtlichen Traum erleben, ist auch nur eine Form von Denken. Wir projizieren Bilder, Geräusche, Gerüche, Empfindungen auf die Leinwand unseres Geistes und berauschen uns daran, begehren und fürchten diese Bilder. Was, wenn diese alltägliche Welt, die uns so real erscheint, auch nur das Produkt unseres Träumerdenkens ist? Aber wir das vergessen haben? Wann wollen wir daraus erwachen?

2 Gedanken zu „Denken ist wie Träumen“

  1. Die Attraktivität von Gedanken muss wohl daher kommen, dass ich sie schätze und mir etwas davon verspreche, sie mir anzusehen.
    Als ich vor etwa 200 😉 Jahren anfing, zu meditieren, war das eigentlich eine eher langweilige und frustrierende Angelegenheit. Ich wollte, dass die vorgesehenen 15 Minuten schnell vorbei sind, damit ich wieder was spannenderes machen konnte. Es dauert, bis man verstehen lernt, dass der stille, beobachtende Zustand eine Quelle der Inspiration ist. Die Transformation geschieht fast unmerklich. Und je mehr ich das verstand, umso mehr schätzte ich dies und umso weniger glänzen die Verlockungen des Träumens und Fantasierens.
    Diese plötzlichen Wechsel zwischen den beiden Zuständen sind, so glaube ich, nur dadurch zu erklären, dass ein aufkommender Gedanke unbewusst als so attraktiv wahrgenommen wird, dass man darauf einsteigen muss. Aber die Attraktivität der Stille wird wachsen und die der Gedanken wird abnehmen.

    1. Danke, lieber Thomas! Ja, in der Tat – das Meditieren oder in Stille sitzen und Gedanken beobachten scheint anfangs ziemlich eintönig und wenig vielversprechend zu sein. Doch irgendwann erkennt man immer mehr, wie befriedigend und erfüllend die Stille im Inneren ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.