Der scheinbar freie Wille

Ich sehe es so, dass es auf der absoluten Ebene keine Wahl gibt, weil es nur eins gibt: GOTT. Wo kein Gegenteil ist, kann es auch keine Wahl geben. Aber auf der relativen Ebene der Welt habe ich eben doch – zumindest scheinbar – die Wahl zwischen allen möglichen Dingen.

Das ist genauso wenig zu leugnen wie mein Empfinden, dass ich einen Körper habe. Der Kurs sagt, es ist in dieser Welt fast unmöglich, nicht mit dem Körper identifiziert zu sein. Und so ist es in dieser Welt so gut wie unmöglich zu leben, ohne das Empfinden zu haben, dass man frei entscheidet. Man kann das rational hinterfragen – und tausende von Philosophen, Denkern und Hirnforschern haben das getan (auch ich versuchte mich daran) – aber es ändert nichts an unserem subjektiven Empfinden.

Auch der Hirnforscher oder Philosoph, der glaubt, den freien Willen widerlegt zu haben, wird in jeder seiner Handlungen sich und den anderen Menschen doch einen freien Willen unterstellen. Das ist eminent wichtig für den Plan des Ego, das unsere vermeintliche Individualität schützen will. Dies aber können wir wiederum nutzen, wenn wir verstehen, dass alle unsere vermeintlichen Entscheidungen über Worte, Handlungen und Formen letztlich bedeutungslos sind. Und vor allem können wir diese Illusion im Sinne des Heiligen Geistes nutzen.

Auf dieser Ebene haben wir eine – wie gesagt scheinbar freie Wahl. Das betrifft alle möglichen scheinbar wichtigen oder unwichtigen Dinge, wie die Wahl der Kleidung, des Berufs oder des Partners. Das alles hat aber keine Bedeutung. Die einzige Wahl von Bedeutung ist die für die Liebe und gegen die Angst. Und deshalb glaube ich auch nicht, dass der HG einen konkreten Plan für uns in dieser Welt hat. Er investiert keinen Deut in Berufs- oder Partnerwahl oder ähnliches. Sein Plan besteht nur darin: schau in Liebe darauf, egal was in der Welt geschieht und was du als Person machst! Deshalb lautet mein Gebet nicht: „Heiliger Geist, hilf mir den richtigen Weg in der Welt zu gehen!“, sondern: „Heiliger Geist, hilf mir, immer in Liebe und Frieden darauf zu schauen, egal für welchen Weg ich mich entscheide!“

Auch wenn es also in Wahrheit gar keine Wahl zwischen Ego und HG, zwischen Angst und Liebe, gibt, so müssen wir doch – solange wir uns in dieser Welt wähnen – diese eine Wahl für die Liebe treffen. Um der Illusion zu entkommen, müssen wir quasi ihr Spiel mitspielen, es aufnehmen und nutzen, um sie schließlich zu überwinden.

2 Gedanken zu „Der scheinbar freie Wille“

  1. Lieber Tom, vielen Dank für diesen klaren Text. Ganz genau so sehe ich es auch und ich finde, es ist eine enorme Befreiung, nicht mehr an den Formen „kleben“ zu müssen, sondern jederzeit in Frieden sein zu können. Der Frieden ist der Maßstab und nicht, wie sich mit wem mein körperliches Leben gestaltet. Wenn ich meine, diese Formen (Handlungen, Lebensumstände) habe eine (womöglich gar heilige) Bedeutung, dann bin ich wieder der Trennung, den Formen und Unterscheiden, also dem Ego verfallen.
    Insofern möchte ich dein Gebet an den Heiligen Geist, „Heiliger Geist, hilf mir, immer in Liebe und Frieden darauf zu schauen, egal für welchen Weg ich mich entscheide!“ dahingehend ergänzen, dass ich wenn möglich schon vor den weltlichen Entscheidungen den Geistesfrieden in mir annehme und daraus erstehen alle weltlichen Entscheidungen automatisch in Leichtigkeit und Klarheit und ohne Zweifel, ohne Grübelei. Irgendwie muss als Körper in der Welt gehandelt werden. Doch was der Körper dann tut, ist nicht der wirkliche Fokus, wie es ja auch in deinem Gebet zum Ausdruck kommt, sondern der Fokus liegt darauf, ob er dabei von Frieden begleitet ist.
    Herzliche Grüße, Katja

    1. Vielen Dank für deine Ergänzung, liebe Katja! Ja, natürlich – noch besser ist es, bereits VOR den Entscheidungen des Alltags in den Frieden zu kommen. Und nachher am besten darin bleiben ;-).

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