Ich bin der Träumer meines Traums

Ich bin der Träumer meines Weltentraumes – nichts darin kann mich angreifen oder bedrohen, denn nichts ist außerhalb von mir. Alles ist in mir selbst und von mir selbst. Wie kann ich anders als all dies zu lieben? Kein ängstliches und begehrendes Lieben, sondern ein Lieben, das alles umarmt, allem vergibt und auch alles wieder friedlich entlässt.

Doch oft vergesse ich es. Wie kann ich es wieder finden? Indem ich meine Aufmerksamkeit um 180 Grad drehe und nach „innen“ schaue – nicht auf die irritierenden, bedrohenden und verführenden Formen, sondern auf den, der das sieht: den formlosen Geist, den unpersönlichen Träumer. Obwohl er frei von jeder Eigenschaft ist, ist er mir viel näher als jede Eigenschaft und Form. Er ist viel mehr „ich“ als alles andere, was ich für mein persönliches „ich“ halte. Hier stehe ich im Zentrum meiner Selbst, hier bin ich, was ich wirklich bin: grenzenloser Raum, Stille, Frieden, Liebe.

Diese Stille, dieser Raum, der ich bin, ist vollkommen jenseits der Zeit. Er ist zeitlos, denn nichts daran könnte altern, sich verändern oder vergehen. Es ist exakt dieselbe Stille, derselbe Raum, wie gestern, vor drei Monaten oder vor zehntausend Jahren. Es ist das ewige JETZT, das wahre ICH, das jede Veränderung der Formen einfach nur still bezeugt.

Der Kurs in Wundern, aber auch Advaita-Lehrer wie Nisargadatta oder Siddharameshwar sagen uns, dass selbst dieses ICH (auch ICH BIN genannt), dieser Träumer/Beobachter nicht unsere letzte Wahrheit, unsere ultimative Realität ist. Aber es ist das Tor dorthin. Dann wenn der Träumer nicht mehr träumt, wenn er keine Formen in ein vermeintliches Außen mehr projiziert. Was wird dann aus ihm? Er verschwindet nicht – er wird einfach nur das, was er eh immer war und immer ist: die ultimative Realität, die vollkommen eins mit GOTT ist.

Der Träumer und GOTT sind nicht zweierlei. Aber der Träumer hat sich scheinbar verselbstständigt und sich von GOTT getrennt. Und deshalb projiziert er – also ICH – eine Welt der Formen, in die er sich milliardenfach aufspaltet, mit getrennten Teilen identifiziert und darin verliert.

Diese Welt ist schon längst vergangen und war nie wirklich da. Aber ich – das, was ich wirklich bin – ist auf ewig geborgen in sich selbst.

2 Gedanken zu „Ich bin der Träumer meines Traums“

  1. Lieber Tom,
    Danke für diesen schönen Text.
    Er macht noch einmal deutlich, dass es tatsächlich nichts außerhalb gibt. Alles findet in uns selbst statt. Das klingt nun wieder fast bedrohlich, so als wären wir mutterseelenallein. Aber nein, wir wissen ja im Gegenteil, dass wir im Egotraum vollkommen alleine sind. Den geistigen Raum dahinter teilen wir mit Allem und Allen. LG Micha

    1. Ja, wunderbar, lieber Micha! Aus dem Ego-Denken heraus klingt es wirklich bedrohlich, aber es ist im Gegenteil eine Befreiung!

      LIebe Grüße,
      Tom

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