Wer ist es, der den Kurs macht?

„Ein Kurs in Wundern“ ist – wie es heißt – für das Selbststudium. Der Kurs bzw. Jesus im Kurs spricht uns im Text- und Handbuch, und auch im Übungsbuch, nicht mit „ihr“ an, sondern mit „du“. Also ist der Kurs allein für dich, wer immer dies nun liest. Wer oder was aber ist dieses „du“?

Keine Frage, am Anfang nimmst du – was immer du glaubst zu sein – den Kurs in die Hand und liest ihn. Eine konkrete Person, ein konkreter Körper, der ein ganz konkretes, blaues Buch Seite für Seite durchliest, es studiert, daran zweifelt und verzweifelt, dann wieder tief erfüllt und beseelt ist. Du glaubst, Fortschritte zu machen, fühlst dich zunehmend leicht und frei, glaubst über den Dingen zu stehen, jetzt kann dich nichts mehr erschüttern. Doch dann auf einmal: eine kleine Bemerkung deines Partners, oder deiner Mutter oder deines Vaters – und schon kommt wieder dieser nagende Groll, diese Wut in dir hoch.

Doch bald fängst du dich wieder und machst weiter. Du triffst Gleichgesinnte, mit denen du dich austauschst, merkst aber irgendwann, dass manche mit dir gleicher gesinnt sind als andere, die offenbar den Kurs anders verstehen. Du wendest dich von jenen ab oder bist versucht, mit ihnen zu diskutieren. Doch du erinnerst dich, dass es ja Jesus gibt, und auch den Heiligen Geist, die dir zur Seite stehen. Vielleicht glaubst du, ihre Stimme in dir zu vernehmen, ganz konkret raten sie dir, was du tun und sagen sollst. Und du glaubst, dass Jesus vor 2000 Jahren gelebt hat und am Kreuz gestorben ist. Irgendwann Ende der 60er Jahre hat er sich dann an die Psychiaterin Helen Schucman gewandt, um den Kurs in Wundern durchzugeben.

Glaubst du das wirklich? Glaubst du, dass eine Person namens Jesus sich aus dem Jenseits wieder meldete und diesen Text über eine noch lebende Person durchgegeben hat? Ist es derselbe Jesus, der vor 2000 Jahren am Kreuz starb? Oder sein Geist? Oder dämmert dir allmählich, dass du das alles nicht wörtlich nehmen musst? Du kannst es natürlich wörtlich nehmen, wenn es dir eine Hilfe ist und dich unterstützt.

Aber du kannst jetzt auch langsam dahinkommen, dass gar nicht du als diese Person mit einem bestimmten Körper, bestimmten Namen und einer bestimmten persönlichen Vergangenheit gemeint bist. Du bist das nicht. Du bist Geist (was immer das nun ist), du warst es schon immer und wirst es immer sein. Laut Kurs hast du selbst diese Welt projiziert, um dich von GOTTES Liebe und Einheit zu trennen. Du siehst überall nur das, was du selbst gemacht hast. Nichts kann dich angreifen, nichts verletzen, nichts bedrohen – denn es gibt nichts außerhalb von dir. Alles ist in dir – auch Jesus, der Heilige Geist, das blaue Buch genannt „Ein Kurs in Wundern“. Alles ist in dir, und alles ist von dir.

Und deshalb kannst gar nicht du als die vermeintliche Person gemeint sein, wenn der Kurs dich mit „du“ anspricht. Denn du selbst hast den Kurs geschrieben! Und zwar nur für dich! Du hast diese Welt gemacht, du hast auch Jesus gemacht (dein Symbol für bedingungslose Liebe), du hast den Heiligen Geist gemacht (dein Symbol für deine Erinnerung an GOTT). Nur GOTT und seinen HIMMEL (was praktisch dasselbe ist: die ultimative Wirklichkeit und Wahrheit) hast du nicht gemacht. Du hast dir nur die Namen „Gott“ und „Himmel“ dafür ausgedacht.

Warum aber hast du dir all dies ausgedacht und warum hast du dir diesen Kurs geschrieben? Weil du des Leidens überdrüssig bist. Weil du aufwachen und nicht weiter träumen magst. Weil du nach Hause willst.

Egal, was du nun über diesen Text denkst – ob er dich erleuchtet, amüsiert, verwirrt oder verärgert – auch er ist nur von dir selbst geschrieben. Für dich.

7 Gedanken zu „Wer ist es, der den Kurs macht?“

  1. Lieber Tom,

    „Glaubst du das wirklich? Glaubst du, dass eine Person namens Jesus sich aus dem Jenseits wieder meldete und diesen Text über eine noch lebende Person durchgegeben hat? Ist es derselbe Jesus, der vor 2000 Jahren am Kreuz starb? Oder sein Geist? Oder dämmert dir allmählich, dass du das alles nicht wörtlich nehmen musst?“

    Also ich glaube nicht, dass es so ist, dass eine Person Jesus Christus nach 2000 Jahren (in der Zwischenzeit hat er wohl Englisch gelernt ? ) mit einem Knüller herauskommt. Das Ego kann kaum gemeint sein als Adressat des Buches, bleibt nur der Sohn Gottes und der bin ich.
    Also – ja, ich selbst habe das Buch geschrieben. Oder sagen wir mal so: Der Einfluss der Wahrheit (die ich selbst bin) sickert in meinen Traum ein und lässt mich von einem blauen Buch träumen.

    Dass dies geschieht kann nur bedeuten, dass mein Traum durchlässig geworden ist für die Wahrheit, die nun eine Form annimmt, die ich verstehen kann.

    Das ist ganz analog zum Ausspruch des Hl. Augustinus, der sagte: „Das, was sucht, ist auch das, was gefunden wird.“
    Grüßle von T2

  2. Lieber Tom,
    Ich habe mir die Frage, ob es tatsächlich dieser historische Jesus war, der Helen kontaktiert hat nicht gestellt. Eigentlich komisch, wenn ich darüber nachdenke. Ich habe einfach Vertrauen in das, was ich im Kurs lese. Und das bedeutet ja, wenn ich das in deinem Sinne sage, ich habe Vertrauen zu mir selbst, zu dem rechtgesinnten Teil in mir, der mir sagt, dass ich träume. Das ist eine schöne Erkenntnis!
    Ich stimme dir voll und ganz zu, in dem, was schreibst. Nicht umsonst heißt es ja:“Ich habe allem, was ich sehe…“ Vielen Dank.

    1. Lieber Micha, ja das stimmt… wenn wir dem vertrauen, was im Kurs steht, spielt es keine Rolle, wie er nun zustande gekommen ist :-).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.