Die Bibel aus Sicht von EKIW

Vorsicht!! Wer noch immer am Christentum und der Bibel hängt, wird vielleicht geschockt sein. Es ist starker Tobak, was Kenneth Wapnick hier schreibt. Es klingt zunächst nicht gerade versöhnlich. Aber ich finde es richtig, die Dinge zu benennen, wie sie sind, und nicht schönzureden. Es ist sogar die Voraussetzung für wahre Vergebung.

„Menschen glauben an die Bibel, weil sie sie nicht mit offenen Augen lesen. Lies sie einfach! Sie ist voller Hass. Sie ist voller Urteil. Sie müffelt nach dem Gestank der Besonderheit, von Anfang bis Ende, von den ersten Kapiteln der Genesis bis zur Offenbarung und allem dazwischen. Natürlich gibt es auch schöne Passagen. Die Bergpredigt ist ein Meisterstück. Und einige der Psalmen sind tief, tief bewegend. Aber sie sind in einem Gefüge von Hass, Urteil, von guten und bösen Typen, von Sünde usw.“ (Übersetzung von mir)

Kenneth Wapnick, Ph.D.
The Trojan Horse of Specialness

Was Wapnick schreibt, entspricht auch meinem Eindruck. Wann immer ich in der Bibel gelesen habe, war ich erschrocken über die Brutalität und den offenen Hass, der da drin steckt. Selbst in der Bergpredigt gibt es eine solche Stelle. Nur wird die so gut wie nie in den Kirchen zitiert. Wie überhaupt auffällt, dass Pfarrer fast ausschließlich schöne, friedlich klingende Passagen vorlesen. Alles andere lassen sie weg. Man muss wirklich nur mal unvoreingenommen darin lesen und man wird staunen.

Wie gehe ich nun als Kurs-Schüler damit um? Ich sehe diesen Rächer-Gott (vor allem im Alten Testament) als gewaltige Ego-Projektion. Es ist der gespaltene Geist, der – mit dem Ego identifiziert – sich einen solchen Welt-erschaffenden, strafenden, belohnenden und auserwählenden Gott macht. Auf ihn kann er, der gespaltene Geist, all seine unterbewusste Schuld projizieren. In dieser Welt drückt sich das oft auch so aus, dass Menschen dem vermeintlich übergeordneten Schicksal, dem Leben, der Gesellschaft, der Politik, den Eltern usw. die Schuld an ihrem eigenen Elend geben.

Wenn es aber der gespaltene Geist ist, der sich einen solchen Gott und eine solche Bibel gemacht hat – dann bin ich es selbst, der dies gemacht hat. Ich selbst (aber nicht ich als Person) habe mir all das erträumt. Und zu mir selbst muss ich es, also meine Projektionen, zurücknehmen. Dann gibt es auch keinerlei Grund, die Bibel zu verurteilen (und auch keinen, sie zu verherrlichen).

P.S.: meine Projektionen zurücknehmen, sie als mein eigenes Machwerk erkennen, ist für mich gleichbedeutend mit „es IHM übergeben“. Ich schaue die Projektionen (also alle Dinge dieser Welt, einschließlich meines Körpers) mit den Augen des HG an. Diese „Augen“ sind in mir selbst, in meinem Geist. Ich muss mich nur immer wieder daran erinnern.

Wir dürfen natürlich nicht vergessen, dass wir auch auf dem Kurs-Weg jederzeit auf das Ego hereinfallen können. Und ebenso können natürlich auch konventionelle Christen sich für die Liebe entscheiden. Es geht mir keineswegs darum, Schubladen aufzumachen und einzelne Menschen oder Gemeinschaften pauschal hineinzustecken. Ich kenne viele Christen, die ich sehr schätze und deren Glauben ich sehr gut respektieren kann.

2 Gedanken zu „Die Bibel aus Sicht von EKIW“

  1. Lieber Tom,

    ich habe früher die Bibel sehr aufmerksam studiert und wenn man das tut, muss man schon sehr einäugig sein um nicht festzustellen,
    dass hier 2 entgegengesetzte Denkweisen nebeneinander Einzug gefunden haben.

    „Wie gehe ich nun als Kurs-Schüler damit um? Ich sehe diesen Rächer-Gott (vor allem im Alten Testament) als gewaltige Ego-Projektion. Es ist der gespaltene Geist, der – mit dem Ego identifiziert – sich einen solchen Welt-erschaffenden, strafenden, belohnenden und auserwählenden Gott macht. Auf ihn kann er, der gespaltene Geist, all seine unterbewusste Schuld projizieren. In dieser Welt drückt sich das oft auch so aus, dass Menschen dem vermeintlich übergeordneten Schicksal, dem Leben, der Gesellschaft, der Politik, den Eltern usw. die Schuld an ihrem eigenen Elend geben.“

    Ganz genau. In die Bibel floss der Wunsch, Schuld zu projizieren, mit ein. Manchmal reichten winzige Veränderungen, um den eigentlichen Sinn ins Gegenteil zu verkehren. So wurde aus „Ich bin der Sohn Gottes“ eine Botschaft der Getrenntheit und Gott konnte wiederum als Rächer und Verfolger dargestellt werden, der seinen eigenen Sohn leiden lässt und ihn bestraft für unsere Sünden. Eine wirklich abartige Idee.

    Aber als ich später erkannte, dass in genau dieser Gegensätzlichkeit der Denkweisen in der Bibel auch eine großartige Lernchance liegt, begann ich anders darüber zu denken. Denn in diesem Kontrast wird erst wirklich klar, dass hier 2 Götter gegenüberstehen, von denen der eine das Gegenteil vom anderen ist. Die Bibel ist eine Spiegelung der 2 Stimmen, zwischen denen eine Entscheidung getroffen werden muss – sie ist eigentlich ein Buch über den menschlichen gespaltenen Geist.

    Im Koran findet man ein ähnliches Phänomen vor. Auch dort ist keine Eindeutigkeit zu finden, wie denn nun eigentlich der wirkliche Allah ist. Liebend oder rachsüchtig?

    Nur der Buddhismus vermied diese Problematik von vorneherein dadurch, dass er keinen Gott ins Spiel bringt und so auch keine Projektionsfläche anbietet.

    Grüßle vom 2.Thomas

    1. Lieber Thomas,

      vielen Dank für deine interessanten Ausführungen!“Ein Buch über den menschlichen gespaltenen Geist“ – ja, das passt sehr gut. Auch wenn Theologen wahrscheinlich anderer Ansicht sein dürften…. ;-).

      viele Grüße,

      Tom

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.