Es gibt luzide Träume, aber…

Gibt es nun luzide Träume oder nicht? Nach den jüngsten Gesprächen und weiterem Nachdenken glaube ich, es nun besser ausdrücken zu können, worum es mir ging. Ja, es mag luzide Träume geben! Aber sie sind eben genau das: bloße Träume. Man ist dabei nicht wach, sondern träumt, wach zu sein. Man bleibt weiter in der Sphäre des Traumes, aber träumt einen anderen Inhalt. Ein Inhalt, der hinausweist aus dem Traum, der in Richtung Erwachen geht, aber als solches nur geträumt ist.

Und damit würden die luziden Träume in der Nacht den „glücklichen Träumen“ am Tag entsprechen, also das, was der Kurs in Wundern als Vorstufe zur „wirklichen Welt“ und zum HIMMEL beschreibt. Laut Kurs sind auch „glückliche Träume“ und selbst die „wirkliche Welt“ immer noch Illusion. Aber sie sind Illusionen, die aus dem Traum hinausführen. Die „wirkliche Welt“ ist dabei eine – verschwindend kurze – Übergangsphase vom Träumen zum Erwachen.

Das heißt: auch wenn wir in dieser Welt uns selbst als Träumer bzw. Beobachter der Welt erkennen, wenn wir erkennen (und zutiefst empfinden), dass diese Welt von uns selbst geträumt ist und nur als Vorstellung in uns selbst existiert (laut Kurs verlassen Ideen ihre Quelle nicht), so ist selbst das immer noch nicht die Wirklichkeit, sondern Teil unseres Traumes. Aber es ist nun ein Traum, der nicht mehr der Ego-Idee der Trennung folgt, sondern der Einheit und Liebe. In diesem Traum ist es vollkommen bedeutungslos, ob irgendwer darin erleuchtet ist oder ob man selbst erleuchtet ist.

Es geht allein um die Ausrichtung des Geistes, der nun zurückkehrt zu seiner QUELLE. Von einem wirklichen Erwachen kann also erst die Rede sein, wenn man nicht mehr träumt, also nichts mehr wahrnimmt. Wie soll man sich das dann vorstellen? Gar nicht, es ist nicht vorstellbar. Der Kurs sagt: „Du bist in GOTT zu Hause und träumst von der Verbannung, bist aber vollkommen in der Lage, zur Wirklichkeit zu erwachen“ (T-10.I.2:1). Und er sagt auch: „Du erinnerst dich nicht ans Wachsein“ (T-10.I.3:2). Das heißt, wir haben zwar den Heiligen Geist als vage Erinnerung an GOTT in uns, aber wir wissen nicht mehr wirklich, wie es ist, wach zu sein. Wir haben es vergessen bzw. verdrängt. Doch dahin gilt es zurückzukehren – an den „Ort“, den wir nie verlassen haben.

Nachbemerkung: Der Vergleich des spirituellen Erwachens mit dem Erwachen aus dem nächtlichen Schlaf ist sehr hilfreich für das Verständnis, hinkt aber dennoch ein wenig. Denn auch wenn wir zurückblicken können auf den nächtlichen Traum und ihn nun als bloßen Traum erkennen, so betrachten wir ihn nicht aus einem erwachten Zustand, sondern aus dem Tagtraum heraus.

6 Gedanken zu „Es gibt luzide Träume, aber…“

  1. Lieber Tom,

    „Der Vergleich des spirituellen Erwachens mit dem Erwachen aus dem nächtlichen Schlaf ist sehr hilfreich für das Verständnis, hinkt aber dennoch ein wenig. Denn auch wenn wir zurückblicken können auf den nächtlichen Traum und ihn nun als bloßen Traum erkennen, so betrachten wir ihn nicht aus einem erwachten Zustand, sondern aus dem Tagtraum heraus. “

    Ich stimme dir zu, dass auch luzides Träumen eben Träumen bleibt.
    Vom luziden Träumen geht wahrscheinlich deshalb eine gewisse Faszination aus, weil es sehr an das Erwachen im Traum erinnert. Was allerdings hinzukommt – wenn es denn stimmt – ist die Fähigkeit, den Traum selbst zu gestalten. Ich kann sozusagen sehen, was ich will, anscheinend wird dies dann sofort in Bilder übersetzt.
    Im Tagtraum ist mir das bisher noch nicht gelungen 🙂

    „Von einem wirklichen Erwachen kann also erst die Rede sein, wenn man nicht mehr träumt, also nichts mehr wahrnimmt.“

    Da bin ich mir nicht sicher. Ob es wirklich so ist, dass Wahrnehmung durch Erwachen ausgeschlossen wird, glaube ich nicht recht. Ich denke eher, sie bleibt als Möglichkeit neben der Erkenntnis als Gewahrsein der Wahrnehmung bestehen. Der Unterschied zur jetzigen Wahrnehmung ist wiederum die vollkommene Erkenntnis meiner SELBST.
    Das höchste Prinzip schließt darunterliegende mit ein – Gewahrsein schließt Wahrnehmung als Möglichkeit mit ein.

    LG Thomas II

    Jesus muss irgendwie Kenntnis haben von der Welt der Wahrnehmung, wie ja auch der HG.

    1. Lieber Thomas,

      richtig – luzides Träumen bleibt Träumen, luzide hin oder her. Den Traum gestalten wir eh, den Nacht- wie den Tagtraum. Das ist uns aber nicht bewusst, denn wir haben uns als Träumer vergessen. Wenn wir nun dahin zurückkommen zu sehen, dass wir selbst das träumen/projizieren, dann kann daraus hin völlige Akzeptanz folgen. Kein passives, schicksalsergebenes Akzeptieren, sondern ein aktives Wollen und Annehmen. Eine Hingabe an sich selbst….

      Gestalten kann ich meinen Tagtraum auch nicht (wie langweilig das auch wäre….). Kann ich überhaupt meine Gedanken kontrollieren? Aber ich kann – und das kenne ich zumindest phasenweise – erkennen, dass alles was geschieht, aus mir selbst kommt und von mir selbst gewollt ist.

      Laut dem Kurs in Wundern schließen sich Erkenntnis und Wahrnehmung aus. Dem glaube ich einfach mal. Mit Wahrnehmung ist die Wahrnehmung von Formen (Farben, Tönen usw.) gemeint. Was das „Gewahrsein des Einsseins“ im HIMMEL ist, weiß ich auch nicht. Aber ich glaube schon, dass immer eine Art Gewahrsein da ist, auch in GOTT, wenn auch ohne Formen bzw. Objekte.

      viele Grüße,
      Tom

  2. Lieber Tom,

    „Kann ich überhaupt meine Gedanken kontrollieren? Aber ich kann – und das kenne ich zumindest phasenweise – erkennen, dass alles was geschieht, aus mir selbst kommt und von mir selbst gewollt ist. “

    Kommt darauf an, was man mit Kontrolle meint.
    Ich finde da den Satz hilfreich:
    „Ein Mensch kann wollen, aber nicht wollen, was er will.“
    Das Übungsbuch zeigt auf, dass ich mich entschließen kann, bestimmte Gedanken zu denken. Mit einiger Übung und Hartnäckigkeit gelingt es, Gedanken des Typs „Ego“ durch Gedanken des Typs „HG“ zu ersetzen. Ich kann auch Gedanken des Typs „Ego“ abweisen und beschließen, sie nicht zu wollen. Das ändert auf Dauer die Grundlage meiner Wahrnehmung.

    „Aber ich kann – und das kenne ich zumindest phasenweise – erkennen, dass alles was geschieht, aus mir selbst kommt und von mir selbst gewollt ist.“

    Dass es von mir selbst gewollt ist, wird mir selten wirklich bewusst, aber ich akzeptiere das als Arbeitshypothese.
    Dagegen weiß ich sicher, dass die Welt innerhalb von mir ist und nicht außerhalb. Dennoch reagiere ich auf sie so, als sei sie außerhalb von mir.

    Ganz am Rande: Artur Schopenhauer betitelte sein Hauptwerk mit „Die Welt als Wille und Vorstellung“ Es lohnt sich, einen kruzen Abriss davon mal in Youtube anzuschauen.

    https://www.youtube.com/watch?v=CiD8QCOZI80

    LG Thomas II

    1. Lieber Thomas,

      Den Satz von Schopenhauser, wonach wir tun können, was wir wollen, aber nicht wollen, was wir wollen – fand ich schon immer genial. Er bringt ein grundsätzliches Problem perfekt auf den Punkt. Aber dennoch haben wir zumeist den subjektiven Eindruck, uns frei entscheiden zu können. Und daran setzt der Kurs an.

      Für mich ist es so, dass wenn ich wirklich tief empfinde, dass alles in mir selbst ist, ich dann auch überzeugt bin, dass all dies mein Wille (meist Ego-Wille) ist. Diese Sicht ist allerdings bereits eine Entscheidung für den HG. Wie ich das mache, was ich da so alles will – keine Ahnung! 🙂 Ist für mich auch nicht interessant, denn es geht hier nicht um ein Kontrollieren.

      viele Grüße,

      Tom

  3. Lieber Tom, danke, dass du es nochmals anders ausgedrückt hast. Mir ist es dadurch auch nochmals klarer geworden.
    Vor allem denke ich, müssen wir klar darin bleiben, dass die Traumfigur, die ich zu sein glaube, weder den Tag- noch den Nachttraum träumt, sondern ich als der Träumer-Geist „außerhalb“ beides träume. Ich als der Träumer-Geist träume dann eine Traumfigur, die wiederum einen Traum hat. Es ist ein Traum in einen Traum in meinem Träumer-Geist-Sein.
    Und in beiden Traumvarianten kann mein Träumer-Geist Erinnerungen an sein Träumer-Sein erfahren. Das eine ist nicht besser oder spektakulärer als das andere. Es ist einfach beide Male ein Ausdruck der Bewusster-Werdung. Und das ist schön.

    Das nächtliche Träumen ist uns zudem sehr hilfreich in der Identifikation mit dem Menschsein für das Kursverständnis und der Hinwendung zum Träumer-Sein. Ohne den nächtlichen Traum im Welten-Tag-Traum, denn wir zumeist für Realität halten, könnten wir uns der Vorstellung, dass alles ein Traum ist (die ganze Welt und alle Menschen) gar nicht nähern. Es gäbe nichts, womit wir es vergleichen und nachvollziehen könnten.
    Aber dadurch, dass wir die nächtlichen Träume als so real erleben, begreifen wir beim „Erwachen“ aus ihnen im Tagtraum, dass die nächtlichen Träume keine und nie Realität waren und nur im träumenden Geist stattfanden. Und ganz genauso wird es uns eines Augenblickes auch mit dieser Tag-Welt in unserem Träumer-Geist ergehen.

    Erwacht-Sein bedeutet dann für mich auch: gar keine Träume und Wahrnehmung mehr. Im Erwachen in Gott, dem wahren Sein, ist kein ich, du, wir, Traum, samt Traumfigur(en) oder Träumer mehr.
    Bis dahin haben wir flüchtige Lichtblicke des inneren weltunabhängigen Friedens, die mehr werden, bis die volle Bereitschaft zum Erwachen und zur Erkenntnis da ist.

    Danke Tom, einiges von dem, was ich jetzt schrieb, hast du auch schon toll benannt, aber nun konnte ich es in meinen Worten noch mehr erfassen.

    1. Liebe Katja, vielen Dank für deine Bemerkungen! Du hast es wunderbar erklärt, ergänzt und zusammengefasst! Kein Traum an sich hat irgendeine Bedeutung oder ist von anderer Qualität, egal ob luzide Träume oder Träume vom Erleuchtet-Sein, aber ein Traum kann hinweisen zu mir selbst als Träumer.

      🙂

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