Es gibt keine luziden Träume – aber glückliche!

In spirituellen Kreisen ist hin und wieder von „luziden Träumen“ die Rede. Ihnen wird eine große Bedeutung beigemessen, denn es heißt, man sei sich dabei während des Träumens bewusst, dass man träumt. Wenn ich mit dem Kurs in Wundern darauf schaue, ergibt sich ein anderes, differenziertes Bild.

Ich glaube nicht an luzide Träume, zumindest nicht so wie sie allgemein verstanden werden. In der Idee ist für mich ein Widerspruch, denn ich kann nur entweder träumen oder wach sein, beides gleichzeitig geht nicht. Wenn ich also glaube, im Traum mir bewusst zu sein, dass ich träume – dann träume ich halt eben dies. Ich träume, dass ich träume. Nur der Inhalt des Traums hat sich verändert, ich träume aber weiter, und habe immer noch meine Identität als Träumer vergessen. Sollte ich mir aber meiner selbst als Träumer bewusst sein, dann bin ich wach und träume nicht mehr. Dann kann von einem luziden Traum keine Rede sein, dann ist es eine Fantasie.

Wenn ich also träume, dass ich träume, dann bin ich weiter nicht wach, aber ich träume einen besonderen Trauminhalt. Ist es nun für das Aufwachen egal, was ich träume? Durchaus nicht. Wenn ich durch den vermeintlich luziden Traum aufwache, so hatte er tatsächlich eine spzielle Bedeutung oder Funktion. Es wäre wie eine Besinnung auf mich selbst. Dazu fällt mir folgender Vergleich ein:

Angenommen ich hätte mir einen Zeichentrickfilm kreiert. Alle Figuren, alle Handlungen sind von mir selbst erdacht und umgesetzt. Und dann schaue ich mir meinen eigenen Film an. Weil er so spannend ist, verliere ich mich völlig darin, ich vergesse, dass ich ihn selbst gemacht habe. Bis dann die Stelle kommt, in der eine Zeichenfigur sich umdreht, in meine Richtung schaut und sagt: „Was regst du dich auf? Hast du vergessen, dass du nur einen Zeichentrickfilm siehst?“ Natürlich ist auch diese Szene von mir selbst und natürlich ist sie genauso wenig real wie alle anderen Szenen. Aber sie hilft mir, so illusionär sie auch ist, dass ich mich wieder auf mich selbst besinne. Und dann wird mich der Film auch nicht mehr emotional aufwühlen.

Im Prinzip genauso ist es mit dem, was der Kurs in Wundern als „glückliche Träume“ und wirkliche Welt“ beschreibt. Beides ist an sich ebenso illusionär wie alle anderen Wahrnehmungen von dieser Welt. Aber sie „zeigen“ in die richtige Richtung – hin zu mir selbst, zum Träumer dieser Welt. Ihr Inhalt ist Vergebung und Frieden. Und das ist überhaupt der entscheidende Punkt: luzider Traum hin oder her – was ist der Inhalt? Ist es Vergebung und Frieden, Liebe und Freude, dann hat er seinen Wert. Wenn er aber Angst und Begierde zum Inhalt hat, werden wir weiter im Traum verstrickt sein.

Die Sichtweise des Kurses – nämlich dass auch glücklicher Traum und wirkliche Welt an sich nur Illusionen sind – entzieht auch dem Kult um sogenannte „Erleuchtete“ den Boden. Was ist ein selbsternannter Erleuchteter anderes als einer, der glaubt, erwacht zu sein, aber eben auch das nur träumt? Kann es IN einem Traum Erwachte geben? Nein, denn keine Traumfigur könnte je erwachen, das tut nur der Träumer, also ich. Auf dem Weg dorthin kann mir aber unter Umständen sogar ein selbsternannter Erwachter (den ich mir selbst träume) helfen, nämlich wenn ich ihn ihm den richtigen Fingerzeig sehe, wie bei der bestimmten Zeichenfigur, die in die richtige Richtung deutet. Und das sehe ich, wenn ich ihn mit Augen der Vergebung und der Liebe ansehe.

16 Gedanken zu „Es gibt keine luziden Träume – aber glückliche!“

  1. Vielen Dank lieber Tom, sehr anschaulich und hilfreich durch den Vergleich mit der Zeichentrickfigur.
    Ich frage mich nun gerade noch folgendes zur Definition des Erwachens: Der Wechsel vom Ego-Albtraum zum glücklichen Traum mit dem Heiligen Geist (glücklich, nicht weil in der Welt alles perfekt ist, sondern weil mein innerer Träumer-Frieden unberührt vom Traum-Geschehen ist) findet ja im Träumer statt, wie du gut dargelegt hast. Von daher müsste doch in diesem Wechsel auch das Bewusstsein über den Träumer beinhaltet sein, selbst wenn er noch den Traum sieht, oder?
    Und bedeutet also Erwachen für dich nicht, dass der Träumer über die Traumfigur Liebe und Vergebung ausdrückt, sondern bezeichnest du als Erwachen erst, wenn schließlich gar kein Traum mehr da ist?

    1. Liebe Katja, ich denke, auch hier kann man den Vergleich mit dem nächtlichen Traum bemühen. Wenn ich in der Nacht oder am Morgen aus dem nächtlichen Traum erwache, habe ich auch das Traumbild noch vor Augen. Es hat jedoch augenblicklich seine Anziehungskraft verloren, denn da ich jetzt meine (vermeintliche) Identität wiedererkannt habe, kann mich der Traum nicht mehr tangieren, ich fühle nun keine Angst und auch keine Begierde mehr.

      Vielleicht spinne ich ihn aus Interesse noch ein klein wenig weiter, aber er wird schnell verblassen und meist sogar vollkommen vergessen. Es kann natürlich auch sein, dass ich kurz aus dem Traum erwache, aber sogleich wieder einschlafe und den Traum weiterträume, also an ihn anknüpfe (Vielleicht passiert das manchen und sie halten es dann irrtümlicherweise für einen luziden Traum).

      Und tatsächlich scheint uns das ja auch in diesem so real erscheinenden Weltentraum zu passieren. Vielleicht haben wir für einen Moment das intensive und authentische Gefühl, wirklich der Träumer dieses Traums zu sein, empfinden Liebe, Freude und Frieden (also Vergebung), aber fallen im nächsten Moment (oder nach Stunden) wieder in den Traum zurück und halten uns für den Traumkörper, der einer realen Welt gegenübersteht.

      Ich glaube, dass diese Momente dem entsprechen, was der Kurs „glücklicher Traum“ nennt. Der glückliche Traum geht einher mit dem Erkennen seiner selbst (als Träumer). Wenn man glücklich und friedlich im Traum ist, aber sich immer noch für eine Person hält, ist es kein „glücklicher Traum“, sondern Ego-Glück und Ego-Frieden. Auch sehr schön, keine Frage, aber eben nicht, was wir wirklich wollen.

      Die „glücklichen Träume“ kann man auch schon als Erwachen bezeichnen, oder zumindest als Beginn des Erwachens. Wenn man sich als Träumer erkennt und nicht mehr in den Traum zurückfällt, ist man in der „wirklichen Welt“ (eigentlich müsste man sagen, dass man nicht in ihr, sondern sie in einem ist). Und im nächsten Moment ist der Traum vergessen und das Erwachen ist vollendet. So stelle ich es mir zumindest vor. Diese letzten Schritte gehen ja über das hinaus, was wir hier in der Welt erleben können. Wir müssen da einfach dem Kurs vertrauen. 🙂

      1. Sehr schön ausdifferenziert, lieber Tom, danke, so kann ich gut nachvollziehen, was du unter Erwachen verstehst und dass es scheinbar verschiedene“ Stadien“ im Träumer-Geist hat. Es scheint sich in einem Prozess zu vollzieht und dennoch ist es letztlich nur der eine Augenblick, an dem der ganze Weltentraum verschwindet.

  2. Hallo Tom,
    wenn du es als Widerspruch erlebst, dass wir gleichzeitig träumen und wachsein können, dann unterschätzt du unser Bewusstsein.
    Ist es nicht dies was zutiefst unserem Zustand in dieser irdischen Form entspricht?
    Einerseits identifiziert mit einem Körper, einer Ich-Identität, in einem Traum lebend, andererseits unsterblicher Geist, vollkommen frei und unberührt von alledem.

    Um nochmal auf die luziden Träume einzugehen.
    Ich z. B. träume oft gleichzeitig mehrere Perspektiven, zum einen aus meiner Ich-Identität heraus, zum anderen aus einer stillen Beobachterposition. Diese Position hat absolut keine Motivation den Traum zu verändern, sondern sie schaut einfach aufmerksam zu. Es ist pure Bewusstseinskraft. Dadurch wirkt der Traum auch sehr klar und präzise.
    Dieses Ineinanderwirken von scheinbar widersprüchlichen Kräften, ist letztendlich die Durchdringung des Geistes in die Materie, ein Prozess des immer wacher werdens.
    Ein Hall von dem was wir in Wirklichkeit sind, und wie der Traum in Relation dazu zu sehen ist:

    Nur einen Augenblick dauert diese Welt!

    1. Liebe Katja 2 :-),

      es ist tatsächlich ein Paradoxon und so wie du beschreibst. Wir sind „Einerseits identifiziert mit einem Körper, einer Ich-Identität, in einem Traum lebend, andererseits unsterblicher Geist, vollkommen frei und unberührt von alledem“. Aber: Wir erleben das nicht gleichzeitig! Wir können nur des einen oder des anderen gewahr sein.

      Und so sagt es auch der Kurs: Erkenntnis und Wahrnehmung sind Gegensätze, sie schließen sich aus. Die Wahrnehmung (bzw. die Sphäre des Bewusstseins) wurde ja nur deshalb von uns „gemacht“, um die Erkenntnis zu übertünchen. Wir können natürlich innerhalb von Wahrnehmung/Bewusstsein gut über Erkenntnis (im Kurs-Sinne) philosophieren und daran glauben, dass wir es in Wahrheit sind und immer waren. Aber solange wir wahrnehmen, können wir dessen nicht gewahr sein. Wir können nur des Heiligen Geistes in uns gewahr sein, der ein Widerschein des Göttlichen ist, und wir können von der „normalen“ falschgesinnten zur rechtgesinnten Wahrnehmung wechseln. Aber auch das ist nur innerhalb des Traumes. Es ist nur geträumt, nicht wahr.

      Der Kurs sagt uns, dass auch der „glückliche Traum“ und sogar die „wirkliche Welt“ nur Illusionen sind. So wie auch die Vergebung Illusion ist. Aber es sind die Illusionen, die aus allen Illusionen herausführen. Darin liegt ihr Wert. Ich kann nicht sagen, welchen Wert deine nächtliche Traumerfahrung, die du sehr schön beschreibst, hat. Vielleicht lässt sie dich friedlicher und glücklicher träumen, das wäre wunderbar. Aber auch sie verbleibt auf der Ebene des Traumes. Du träumst weiter, auch wenn die Perspektive scheinbar wechselt, weg von der Person zum stillen Beobachter. Vielleicht eine Widerspiegelung, was du im Weltentraum erlebst.

      Mein Punkt ist: Wir können die Wahrheit nicht in die Illusion ziehen. Manche Lehren wollen Wahrheit und Illusion, Himmel und Welt, in Einklang bringen. Der Kurs sagt, das geht nicht, beides schließt sich aus. Wir können nur unseren Frieden mit der Welt machen, um des Himmels wieder gewahr zu werden. Wenn ich also sage, ich bin mir im Nacht-Traum bewusst, dass ich träume, unterliege ich dem gleichen Irrtum, als wenn ich sage, ich bin ein Erwachter (Erleuchteter) im Tag-Traum. Beide Male will ich im Grunde die „Wahrheit“ hinunter auf die Ebene der Illusion ziehen.

      Liebe Grüße,
      Tom

      1. Lieber Tom.
        Erleuchtetes Bewusstsein, so es das wirklich ist, wird wohl kaum verkünden, dass es erleuchtet ist, denn das klingt schon sehr nach Egostolz. Hier versucht das Ego tatsächlich, die Wahrheit in die Illusion zu ziehen.

        Weder erleuchtetes Bewusstsein, noch ein Bewusstsein, das sich im Traum bewusst ist, dass es schläft, muss aber zwangsläufig Teil des Traumes sein. Es ist es in beiden Fällen dann, wenn es sich das als Ego an die Brust heftet.

        Ich stelle mir unsere geistige Wirklichkeit als Licht und unseren Egotraum als Vorhang davor vor. Das Licht unserer Wirklichkeit wird umso mehr in unser Bewusstsein vordringen, je durchsichtiger der Egovorhang ist, den wir davorziehen. Das Licht wird nie Teil des Vorhangs sein, auch wenn es durch denn immer dünner werdenden Vorhang hindurch mehr und mehr in unser Bewusstsein dringt. Entscheidend ist, was wir daraus machen. Oder?

  3. Lieber Tom. In luziden Träumen hat der Mensch innerhalb des Traumes das Bewusstsein dass er träumt. Er ist der Gestalter und kann den Traum sogar beeinflussen. Das ist für mich schon ein faszinierender Gedanke. Er beschreibt ja genau das, was der Kurs auf einer anderen Ebene aus Sicht unserer geistigen Wirklichkeit über unseren Egotraum sagt.

    Ich bin der Meinung, dass unsere Wirklichkeit in jedem Moment in unseren Traum hineinwirkt. Wir spüren dies und erschaffen deshalb aus Angst vor dem Erwachen in jedem Moment neu unseren Traum von Angst und Trennung. Wenn wir uns zum Schlafen legen sind unsere Abwehrmechanismen zu einem großen Teil außer Kraft. Ich kann mir gut vorstellen, dass ein Abglanz unserer geistigen Wirklichkeit in so einem Moment in unserem Schlaftraum erscheint, einfach deshalb, weil unsere Abwehrmechanismen nicht mehr greifen.

    Ich kenne ein ähnliches Phänomen in der Übergangszeit, in der ich nicht mehr ganz im Schlaftraum, aber auch noch nicht ganz aufgewacht bin: Ich bin der Beobachter, der völlig losgelöst mit großer Klarheit und Übersicht auf meine momentane Lebenssituation schaut und habe urplötzlich Antworten auf Fragen, die ich schon lange mit mir herum getragen habe.

    1. Lieber Micha,

      danke für deine Kommentare! Ja, unsere Wirklichkeit wirkt in gewisser Weise in unseren Traum hinein. Das gilt sowohl für den Nacht-Traum als auch den Tag-Traum, den wir für unser reales Leben halten. Es ist der „Heilige Geist“, der hineinwirkt und der quasi eine „Brücke“ zwischen der Wirklichkeit des HIMMELS und der Illusion der Welt schlägt. Der HG ist unsere Erinnerung an den HIMMEL (bzw. GOTT), die wir aber weitgehend unter dem Schleier des Vergessens begraben haben. Und unter diesem Schleier liegt auch unsere wahre Identität als Geist.

      Das Merkmal jeglichen Traums ist, dass man sich vergessen hat. In dem Moment, in dem man erkennt, dass man der Träumer ist, träumt man nicht mehr, sondern ist wach. Man ist nicht mehr vermeintlich im Traum, sondern der Traum ist in einem. Wenn ich also denke, dass ich mir im Traum bewusst bin zu träumen, träume ich weiter, denn ich erinnere mich nicht meiner selbst als Träumer. Wenn ich dies täte, wäre ich wach und würde nicht träumen.

      Ich bin der Meinung, dass unsere Abwehrmechanismen im nächtlichen Schlaf nicht außer Kraft sind. Sie sind jetzt einfach in den Traum hineinverlagert. Natürlich kann dennoch auch in den nächtlichen Schlaf ein Abglanz der Wirklichkeit hineinwirken. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass wir am Morgen gar nicht wirklich aufwachen, sondern nur vom nächtlichen Traum in den Tag-Traum wechseln. In dieser Übergangszeit kann es tatsächlich interessante Erfahrungen geben, z.B. dass man zwar nicht mehr träumt, aber auch noch nicht wieder mit der Person im Bett identifiziert ist, ihrer vielleicht noch gar nicht bewusst ist.

      Du schreibst: „Weder erleuchtetes Bewusstsein, noch ein Bewusstsein, das sich im Traum bewusst ist, dass es schläft, muss aber zwangsläufig Teil des Traumes sein. Es ist es in beiden Fällen dann, wenn es sich das als Ego an die Brust heftet“. Ja, Bewusstsein, also der Träumer, ist nie Teil des Traumes. Wenn man sich als Teil des Traumes wähnt (z.B. wenn man träumt, erleuchtet bzw. wach zu sein) träumt man schön weiter.

      Das Vertrackte ist, dass wir am Morgen zwar erkennen, dass es in der Nacht nur ein Traum war. Wir erkennen uns als Träumer dieses Traumes, glauben aber, dass wir als Person diesen Traum hatten. Was aber selbst nur Traum ist :-).

      Ein schönes Bild mit dem Ego-Traum als Vorhang!

      Liebe Grüße,
      Tom

  4. Lieber Tom,

    „In der Idee ist für mich ein Widerspruch, denn ich kann nur entweder träumen oder wach sein, beides gleichzeitig geht nicht. Wenn ich also glaube, im Traum mir bewusst zu sein, dass ich träume – dann träume ich halt eben dies. Ich träume, dass ich träume. “

    Ich denke nicht, dass es sich so verhält, auch wenn ich selbst nicht luzid träume.

    „denn ich kann nur entweder träumen oder wach sein, beides gleichzeitig geht nicht.“

    Die Frage ist doch, wann genau sprechen wir überhaupt von einem Traum, was macht ihn wirklich aus bzw. wann bin ich eigentlich wach?

    Wachheit bedeutet in diesem Zusammenhang, dass ich im Gewahrsein meiner selbst nicht eingeschränkt bin. Vergesse ich mich selbst – vergesse also, wer ich bin – ist Träumen unvermeidlich. Das ist es also, was einen Traum ausmacht – die Selbstvergessenheit.

    Der Kurs sagt dies sehr klar in folgendem Satz:

    „Wahrheitsgemäß wahrnehmen heißt, der ganzen Wirklichkeit gewahr zu sein durch das Gewahrsein deiner eigenen Wirklichkeit“

    T-13.VI.1:1

    Das schließt mit ein, dass wir etwas wahrnehmen können, obwohl Wahrnehmung eindeutig nicht die Wahrheit ist. Die Wahrnehmung wird dadurch wahrheitsgemäß, dass ich mir meiner selbst gewahr bin. Der Kurs nennt das die „Wirkliche Welt“. Diese Welt ist durchdrungen von der Wahrheit meiner Wahrheit und kann daher nichts als Liebe in der Welt wahrnehmen, weil ich selbst nur Liebe bin. Es ist nicht der Trauminhalt, der sich verändert sondern es ist die Erkenntnis dessen, der ihn träumt, der ihn wirklich macht.

    Im Prinzip hast du natürlich recht mit deiner Aussage, nur würde ich sie dahingehend präzisieren, dass man im Traum erwacht (der nach meiner eigenen Definition dann kein Traum mehr ist ;-)), dass dies aber nicht zur Folge hat, dass der Trauminhalt verschwindet.

    Indem ich erwache, wird der Traum zur Wirklichkeit, denn das, was ihm zur Wirklichkeit fehlte, war ich selbst.

    Aber ist es das, was einen luziden Traum auszeichnet? Ich weiß es nicht.

    LG Thomas II

    1. Ja. lieber Thomas, das Merkmal des Träumens ist die Selbstvergessenheit. Ich werde aber heute nochmal einen ganz neuen Beitrag schreiben, denn in der Diskussion ist mir selbst einiges noch klarer geworden und vielleicht kann ich es jetzt besser auf den Punkt bringen. 🙂

      Was der Kurs mit „wahrheitsgemäß wahrnehmen“ meint, ist die Rechtgesinntheit bzw. die „wirkliche Welt“ oder die „wahre Wahrnehmung“. Die aber noch nicht die Wahrheit oder Wirklichkeit ist, sondern nur ein Abglanz davon.

  5. Lieber Tom,
    Ich habe mal im Glossar gestöbert und die Begriffe Wahrnehmung und Erkenntnis nachgeschlagen.

    Erkenntnis:
    Der Himmel oder die Welt Gottes und seiner Schöpfung vor der Trennung.

    Wahrnehmung:
    Die dualistische Welt der Formen und Unterschiede nach der Trennung.

    Beiden Begriffen liegt wohl eine Geisteshaltung zugrunde, vor und nach der Trennung. Bei der Erkenntnis ist die Grundlage Einheit, bei der Wahrnehmung Trennung.
    Insofern glaube ich nicht, dass im Zustand der Erkenntnis zwangsläufig alles verschwunden ist, z.b. nichts mehr gehört oder gesehen wird. Aber: Alles, was im Geist erscheint, wird als Einheit erkannt.
    Bei der Wahrnehmung ist die Grundlage die Trennung. Von dieser Geisteshaltung, die die Identifikation mit dem Körper zur Grundlage hat, aus betrachtet, werden nur Fragmente wahrgenommen.
    LG Micha

    1. Lieber Micha,

      der Kurs ist sehr radikal, was die Unterscheidung zwischen Erkenntnis und Wahrnehmung angeht. Du hast die richtigen Definitionen aufgeführt, aber ich interpretiere sie etwas anders. Erkenntnis ist etwas, was wir uns definitiv jetzt nicht vorstellen können. Es wird im Kurs unter anderem – und das ist für mich noch die verständlichste Beschreibung – als ein Gewahrsein des Einsseins beschrieben. Es hat aber nichts mit Wahrnehmung zu tun, da wird nichts mehr gehört, gesehen, gefühlt, geschmeckt. Alles was irgendeine Art von Form ist, ist Illusion und damit keine Erkenntnis. Was du wahrscheinlich meinst, ist die „wahre Wahrnehmung“, da ist es tatsächlich so, dass alles, was im Geist erscheint, als Einheit gesehen wird. „Wahre Wahrnehmung“ ist gleichbedeutend mit der „Wirklichen Welt“, und das ist immer noch Illusion, wenn auch die Pforte zum HIMMEL. An dem Punkt geht der Kurs über andere Lehren hinaus.

      Liebe Grüße,
      Tom

  6. Vielleicht sollten wir auch mal den Begriff „Einheit“ untersuchen. Solange ich etwas wahrnehme, unterscheide ich zwangsläufig. Selbst wenn ich die Dinge nicht mehr als separat und eigenständig, nicht mehr als getrennt voneinander und nicht getrennt von mir selbst sehe, kann ich sie noch immer unterscheiden. So wie z.B. wenn ich ein Gemälde betrachte. Ich unterscheide darin verschiedene Dinge. Ich weiß zwar, dass sie nicht für sich selbst existieren, sondern ein Ganzes sind, dennoch kann ich in dem Ganzen Einzelheiten unterscheiden. Einheit ist für mich noch jenseits davon, darin gibt es nicht mal mehr Unterscheidungen. Solche Unterscheidungen sind immer noch eine Form der Besonderheit. Und Einheit kennt keine Besonderheit :-).

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