Der Rache-Gott – eine Ego-Projektion

In „Ein Kurs in Wundern“ gibt es einige sehr drastische Aussagen über unser Verhältnis zu Gott. So heißt es, wegen unserer vermeintlichen Trennung von Gott bilden wir uns ein, ihn „ermordet“ zu haben. Und wegen dieser schrecklichen Sünde empfinden wir Schuld und damit Angst vor seiner tödlichen Rache. Um der zu entgehen, projizieren wir (als abgespaltener Geist) eine Welt der Millarden Formen, um uns darin weiter aufzuspalten und zu verstecken. Gegen diese Aussagen werden die meisten wohl zunächst Widerstand haben, auch Kurs-Schüler, egal, ob sie christlich geprägt sind oder nicht.

Auf der anderen Seite sagt der Kurs, dass Gott ein Gott der bedingungslosen Liebe ist, der kein Gegenteil hat, keine Angst, keinen Hass und nichts dergleichen kennt. Wie könnten wir vor so einem Gott Angst haben? Ist der Rache-Gott, vor dem wir angeblich Angst haben, ein anderer als der wahre Gott der reinen Liebe? Hat er überhaupt etwas mit ihm zu tun? In gewisser Weise ist der Rache-Gott – und damit ist überhaupt jegliche Art von Gott gemeint, der eine Welt geschaffen haben und direkt oder indirekt darauf Einfluss nehmen soll – eine falsche Vorstellung des wahren Gottes, ein bloßes Zerrbild. Er ist eine reine Ego-Projektion.

Man muss sich immer wieder klarmachen, dass alles, was wir hier in dieser Welt der konkreten Formen wahrnehmen, eine Widerspiegelung der (vermeintlichen) abstrakten Trennung von Gott darstellt. Komplett alles spiegelt unser Verhältnis zu Gott, auch wenn uns das meist nicht im Geringsten bewusst ist. So sind die Angst und die Wut auf einen anderen Menschen letztlich eine Widerspiegelung unserer Angst vor Gott und unserer (daraus folgenden) Wut auf ihn. Was uns ängstigt, hassen wir. Aus der ersten Wahnidee der Trennung folgen nicht nur alle konkreten Formen, sondern auch alle unsere Ideen. Dazu gehört die seriöse Wissenschaft genauso wie der archaische Aberglaube. Und auch alle Religionen gehören dazu. All diese Gedanken- und Glaubensgebäude sind nichts weiter als eine Widerspiegelung des ursprünglichen Trennungsgedankens. Und somit ist unsere Vorstellung von einem religiösen Schöpfer- und Rachegott nur eine illusionäre Ego-Projektion.

Diese Vorstellung hat rein gar nichts mit dem wahren Gott der Liebe zu tun. Gleichzeitig ist sie aber allein aus unserem eingebildeten Missverhältnis zum wahren Gott der Liebe enstanden. Auch wenn es im Kurs heißt, dass unsere größte Angst die vor der Liebe bzw. dem wahren Gott der Liebe ist, so bezieht sich diese Angst in Wirklichkeit auf unser Zerrbild von ihnen. Wenn wir die Liebe bzw. den wahren Gott der Liebe wirklich erkennen würden, wüssten wir natürlich, dass wir vor ihnen keine Angst haben müssen, sondern in völliger Sicherheit in ihnen geborgen sind.

Das alles soll natürlich nicht heißen, dass Anhänger von Religionen per se einem Trugbild aufsitzen, während Kursschüler ausnahmslos dem wahren Gott folgen. Alle, ausnahmslos, schwanken immer wieder zwischen Liebe und Angst, folgen Trugbilder oder entscheiden uns für Frieden und Liebe.

15 Gedanken zu „Der Rache-Gott – eine Ego-Projektion“

  1. Lieber Tom, das hast du sehr klar ausgeführt. Mir ist nur noch ein weiterer Punkt dabei wichtig, nämlich dass wir dennoch in unserem Ego-Glauben auch Angst vor dem wahren Gott der Liebe haben (und nicht nur vor dem projizierten Ego-Gott), weil das Wiederaufgehen im wahren Gott der Liebe bedeutet, unsere Individualität und Form, die wir zu sein glauben, aufzugeben. Für das Ego fühlt sich das wie der Tod an und es muss begriffen werden, dass das aber die Erlösung zum wahren LEBEN ist. Liebe Grüße, Katja

    1. Liebe Katja, ich weiß, was du meinst, und auch warum du darauf pochst, dass wir vor der Liebe Angst haben. Vielleicht passt dazu das alte indische Gleichnis von dem Seil und der Schlange. Jemand kommt in ein dunkles Zimmer, in dem auf dem Boden ein Seil liegt. Aufgrund der Dunkelheit hält er das Seil für eine Schlange und erstarrt vor Angst. Vor was hat er nun eigentlich Angst – vor dem Seil oder vor der Schlange? Irgendwie vor beidem und doch auch vor keinem. Er kann keine Angst haben vor einer Schlange, weil da gar keine Schlange ist. Und er kann auch keine Angst haben vor einem Seil, denn wie könnte er vor einem harmlosen Seil Angst haben? Ja klar, letztlich hat er tatsächlich vor einem harmlosen Seil Angst, aber eben nur, weil er es für eine Schlange hält. Aber er hat eben nicht vor einem Seil UND einer Schlange Angst. Das wären nur zwei Perspektiven auf ein- und dasselbe.

      Und so sehe ich es auch mit dem wahren GOTT der LIEBE und dem eingebildeten Gott der Rache. Letztlich haben wir Angst vor der LIEBE, aber nur weil wir mit dem Ego die LIEBE gar nicht sehen und verstehen können, wir MÜSSEN sie für den Tod unserer (Individualität) halten. Wir haben die LIEBE in uns fast vergessen, da ist nur noch eine vage Erinnerung (der Heilige Geist) in uns. Ohne das Ego bzw. unsere Identifikation damit würden wir die LIEBE nicht mehr für den Tod halten und hätten auch keine Angst vor ihr. Wir lesen zwar im Kurs über diese LIEBE und sehnen uns auch nach ihr, aber sie ist uns (noch) nicht wirklich gewahr, auch wenn wir immer wieder sehr lichtvolle Momente erleben. Also ist der GOTT der LIEBE ein liebevolles Seil :-), und der Gott der Rache eine eingebildete Schlange.

      Und letztlich sind in dieser Welt alle Dinge, alle Körper, alle Ideen und Glaubensmuster nur Schlangen, solange wir mit dem Ego identifiziert sind. Weil sie nicht sind, was wir glauben, dass sie sind. Erst wenn wir die „Luke“ öffnen und das Licht des HG einlassen, lichtet sich das Dunkel.

  2. Folgt daraus, dass wir uns abertausende von verschiedenen ablenkungs-götzen gemacht haben und keiner hält was er verspricht worauf wir uns wieder an ihnen rächen müssen und so garantiert im verurteilen und in der anhaftung der götzen bleiben, die wir los werden wollen, weil sie eh nicht halten was sie versprechen?

  3. Wir wollen die liebe nicht, weil wir ohne konflikt aufhören, das ungerecht behandelte selbst zu sein, das wir als unsere identität betrachten. Das macht angst, weil nichts mehr zu bleiben scheint, was uns besonders macht.

  4. Liebe Doris,

    „Wir wollen die liebe nicht, weil wir ohne konflikt aufhören, das ungerecht behandelte selbst zu sein, das wir als unsere identität betrachten. Das macht angst, weil nichts mehr zu bleiben scheint, was uns besonders macht.“

    Das sicher auch, bzw. ist das eine der vielen umwegigen und verqueren Folgen des Grundploblems. Aber ich denke, vor allem anderen haben wir deshalb Angst vor der Liebe, weil wir ihn ihr eben nicht die Erlösung sehen sondern unsere Vernichtung. Genauso, wie wir uns vor Gott schützen möchten, weil wir seine Rache fürchten, so erscheint uns die Liebe als das Ende unserer Existenz, was sie in gewisser Weise auch zweifellos wäre.
    Das Ego könnte im Angesicht der Liebe nicht bestehen und wir selbst halten uns für das Ego! Deshalb ist es in der Tat so, dass wir sterben müssen, um neu geboren zu werden. Es ist nicht weniger als Todesangst, die uns die Liebe fürchten lässt, wie der Teufel das Weihwasser.

    Natürlich ist uns das alles nicht wirklich bewusst und ich selbst, da ich dies eben schreibe, verstehe es zwar als logisch klingende Theorie, würde aber dennoch mit inbrünstiger Überzeugung sagen, dass ich keine Angst vor Gott oder der Liebe habe.

    Wir haben am WE ja von Katja gehört, dass es gleich mehrere Ebenen der Verdrängung gibt, die sehr raffiniert konstruiert sind und allesamt auf einem einzigen falschen Grundsatz aufgebaut sind – der Schuld. Es ist absolut faszinierend, nachzuvollziehen, wie der Verdrängungsprozess, den der Kurs aufzeigt, mit den in der Psychologie bekannten Verdrängungsprozessen korreliert – hinsichtlich des Prinzips, mit dem der Geist auf unerträgliche Konflikte reagiert.
    Die Aufspaltung des Geistes in Fragmente erinnert mich an multiple Persönlichkeiten, die sich in immer mehr Einzel-Persönlichkeiten spalten, um ein groteskes Schauspiel zwischen den einzelnen Personen ablaufen zu laufen, das nur ein Ziel hat: dem zugrunde liegenden Konflikt zu entgehen.
    Dieses Szenario aufzulösen gelingt nur selten, weil der Geist lieber den Weg neuer Umwege geht, und neue Szenarien erfindet, bevor er sich dem Grundproblem aussetzt.
    Gottlob gibt es den HG !

    LG Thomas II

    1. Ja, lieber Thomas, da lob ich auch gott und danke für den heiligen geist!
      Ich kenne den wahnsinn der tausend stimmen von legionen in meinem kopf schmerzlich gut, entwachsen aus brutalen konflikten die mich dermassen überforderten, dass ich es vorzog mich vor einen lastwagen zu werfen damit das endlich aufhören möge meinen verstand zu martern. In letzter millisekunde hat sich mein fahrrad entschlossen einen schlenker zu machen der mich in die psychiatrie gebracht hat, anstelle von vermeintlich tod zu sein und in frieden zu ruhen.
      Den verdrängungsprozess hab ich draufgehabt wie nichts sonst. Und dass lieben vernichten heisst auf der egoebene hab ich tief erfahren. Und darunter liegt die schuld, mein versagen und mein verschulden. Und tiefer konnt ich nicht mehr fallen. Ich hatte zu viel schmerz erfahren dadurch, dass ich soviel schmerz in diese welt gebracht zu haben glaubte, dass etwas in mir heranwuchs, das danach strebte heil werden zu wollen, ohne zu wissen wie das gehen sollte und ob das überhaupt möglich sei. So bin ich zum kurs gekommen und werde wieder mit dem alten schmerz konfrontiert, wieder mit der schuld, der angst, der liebe. Und langsam beginn ich wirklich zu verstehen, da niemals alleine rauszukommen, aus diesem kreislauf von schuld, angst, rache, der besonderheit, dem recht auf urteil und auf angriff und auf rache, dem drama das mich lebendig fühlen lässt, der besonderen liebe die mich rettet aus der pein. Ich komm da niemals mit ego konzepten aus diesem ego wahnsinn raus! Und das ego sträubt und fürchtet sich und quält sich und will die besonderheit um keinen preis verlieren, ja, das ist sein sicherer tod.
      Ich weiss das, spür das, erleb das und hör sie schon wieder kommen die stimmen der legionen. Da muss ich, will ich aufpassen, dass die luke offen bleibt, dass der heilige geist mit mir ist, dass ich auf dem beobachtungsposten bin, sekündlich, minütlich, stündlich. Und dann darf es geschehen, dass einsichten kommen die ruhe mitbringen und friede und sonst nichts. Und es darf momente geben die vom empfinden zum wahrnehmen wechseln. Und so die leere geschätzt und willkomnen ist und das besonders sein an wert verliert mit jedem erleben der grundlosen freude ein wenig mehr. Und da will ich hin, da führt mich dieses innere sehnen und wiedererinnern hin, zu gott, zur liebe.
      Es ist ein anfang gemacht, es hat sich in mir viel verändern dürfen, der kurs ist wie ein grosser bruder zu mir gekommen, ich versteh ihn als seine kleine schwester nicht immer, doch das macht nichts, das vertrauen in ihn ist da und das vertrauen in dich und in euch, meine brüder. Und das ist mehr, als ich erwartet habe zu beginn dieser reise. Und die kleine bereitwilligkeit stand anfangs des weges da, alleine und wusste dass sie heilung sucht und frieden, einfach nur ein weinig davon. Und nun ist da schon soviel gewachsen in die breite und in die tiefe und die angst wird kleiner und die liebe dehnt sich aus. Die liebe die ich durch und mit dem heiligen geist erfahre, und die die meine ist, die unsere, die eine, die heilige und ewige.

      1. Dein Beitrag macht mich fast sprachlos, liebe Doris! Aber auch glücklich, und ich wünsche dir – wie uns allen – dass es so weiter geht auf diesem Weg, auch wenn es mal wieder Irrungen geben sollte. Die grundsätzliche Richtung stimmt!
        Ganz liebe Grüße an dich!
        Tom

    2. Lieber Thomas, der Vergleich mit den multiplen Persönlichkeiten ist sehr gut! Also haben wir nicht nur einen gespaltenen, sondern auch multiplen Geist :-). Und auch im nächtlichen Traum zeigt sich dieses Prinzip: Wir spalten uns in viele Personen und viele Dinge und Situationen auf und verlieren uns darin. Und immer geht es darum, eine tief zugrnnde liegende Angst (oder auch Begierde) in Formen zu gießen und auszuleben…..

  5. Liebe Doris,

    danke für deinen Beitrag. Einmal meht habe ich verstanden, dass das Ego einen grundlegenden Fehler macht und machen muss: Früher oder später treibt es den, den es töten will, dem Wendepunkt zu und sorgt selbst dafür, dass Erlösung unausweichlich wird.

    LG Thomas II

  6. Lieber Tom,

    „der Vergleich mit den multiplen Persönlichkeiten ist sehr gut! Also haben wir nicht nur einen gespaltenen, sondern auch multiplen Geist :-). “

    Ja, ich denke, das wird an den „Anderen“ sichtbar, die es nicht gibt.
    Die Therapie bei Multiplen besteht ebenfalls – wie beim Kurs – darin, die fragmentierten und einander zum Teil widersprechenden Persönlichkeiten zu versöhnen und wieder dem Ich des Multiplen zu unterstellen in der Erkenntnis, dass all diese Teilaspekte nur scheinbar voneinander getrennt sind und in Wirklichkeit allesamt im Geist des Multiplen vereint sind.

    LG Thomas II

  7. Liebe Doris,

    ich freue mich sehr über deine Worte. Sie sind sehr richtig und geben genau das wieder, wie wir funktionieren: das Drama macht uns lebendig! Zumindest ein Großteil der Menschen empfindet so, wie ich das bei mir und meiner Familie/Bekannten um mich herum erkennen kann. Hauptsache es kracht immer mal wieder herzhaft, seien es schwere Krankheiten, meine jahrzehntelang andauernde heftige Migräne, der Selbstmord meines Vaters usw. usf…Ich habe nach jahrzehntelanger teils intensiver spiritueller Suche letztes Jahr den Kurs gefunden und bin so was von glücklich darüber. Es tut sich viel seither, für mich als ungeduldiger Mensch noch fast zu wenig, dann wieder besinne ich mich und weiß dass ich schneller gar nicht könnte 😀
    Ich bin dankbar dass wir uns einen Heiligen Geist teilen, der Rest ist bald erlöst.

    Herzlichst, Tanja

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