Ein Bruder ist alle Brüder

In „Ein Kurs in Wundern“ wird eine non-dualistische Lehre gelehrt. Dazu gehört auch ein Prinzip, das zuweilen holografisch genannt wird. Es steckt in diesem Zitat: „Ein Bruder ist alle Brüder. Jeder Geist enthält alle Geister, denn jeder Geist ist eins“ (Ü-I.161.4).

Es gibt ein beliebtes Bild, das dieses Prinzip veranschaulichen will: Ein Baum mit vielen Blättern, und in jedem einzelnen Blatt ist der gesamte Baum abgebildet. Das heißt, dass in jedem Teil das Ganze enthalten ist. In jedem Blatt steckt der ganze Baum und somit IST jedes Blatt, also jeder Teil, das Ganze.

Das kommt auch sehr deutlich in diesem Zitat zum Ausdruck: „Die Einsicht, dass der Teil das Ganze ist und das Ganze in jedem Teil, ist vollkommen natürlich, denn so denkt GOTT, und was für ihn natürlich ist, das ist für dich natürlich“ (T-16.II3:3). Das ist zwar, wie der Kurs sagt, natürlich, aber für unseren linear-logischen Verstand ist es kaum zu begreifen. Und so heißt es auch: „Der Geist, der sich selbst gelehrt hat, konkret zu denken, kann Abstraktion nicht mehr in dem Sinne erfassen, dass sie allumfassend ist“ (Ü-I.161.4). Eine allumfassende Abstraktion können wir nicht so einfach erfassen, eben weil wir uns immer nur Konkretes vorstellen können. Und aus diesem Grund hinkt auch das genannte Beispiel mit dem Baum gewaltig, denn unter einem Ganzen stellen wir uns einen doch wieder nur konkreten Baum vor. Ein abstraktes, allumfassendes und grenzenloses Ganzes können wir uns nicht vorstellen, es übersteigt den Verstand. Und so denkt der Verstand, dass das Ganze doch aus so und so vielen Teilen bestehen muss. Der Baum besteht doch aus so und so vielen Blättern. Jedes Blatt ist ein Teil des Baumes, auch wenn es den Baum in sich trägt, so denkt man. Aber der Kurs sagt ganz deutlich, dass jeder Teil nicht ein Teil des Ganzen ist, sondern dass jeder Teil das Ganze IST.

Von einem konkreten Ganzen mag es Teile geben, aber von einem abstrakten, grenzenlosen, transzendenten Ganzen (und nichts anderes ist Reiner Geist) kann es keine Teile geben. Jeder vermeintliche Teil ist gar kein Teil, sondern bereits das allumfassende Ganze. Und das heißt, dass jeder von uns, jeder Geist, jeder Bruder, mit Fug und Recht von sich behaupten kann: „Ich BIN das Ganze! Ich bin der eine ungeteilte Geist, der eine SOHN, den es zur Erlösung braucht“. Es gibt keine anderen, und paradoxerweise kann das „jeder“ sagen, denn es ist immer der Eine, der das sagt.

Wie gesagt lässt sich das nicht mit dem Verstand begreifen, zumindest nicht über die Logik. Dennoch ist natürlich und zum Glück unser Geist durchaus in der Lage, es zu erfassen und sogar zu verwirklichen. Es wird erfasst in der Stille, wenn der Geist weit und unvoreingenommen ist, wenn er gar nicht begreifen und hinterfragen will, sondern sich auf sich selbst besinnt und nicht auf seine Projektionen.

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