DIE WELT IST ILLUSION – zumindest ein bisschen :-)

Die Welt ist eine Illusion. Der Kurs in Wundern trifft diese Aussage und er ist ganz eindeutig darin. Diese Welt ist unwirklich und existiert daher nicht. Nur Wirkliches existiert, also Gott bzw. reiner Geist. Der Kurs sagt sogar, dass diese Welt ein Traum ist, der nie stattgefunden hat.

Die Welt ist also noch unwirklicher als eine Fata Morgana, die zwar nicht das ist, was man darin zu sehen glaubt, aber immerhin als Luftspiegelung existiert. Nein, die Welt ist in dem Moment, wo sie zu entstehen schien, bereits wieder aufgehoben worden und im Nichts entschwunden. An der Eindeutigkeit dieser Aussagen gibt es nichts zu deuteln.

Wie aber schaut es mit unserer subjektiven Wahrnehmung und Empfindung aus, die uns doch das glatte Gegenteil zu bezeugen scheinen und die uns die Welt als überaus real existierend erscheinen lässt? Welche Bedeutung kann hier noch die Aussage haben, dass die Welt Illusion sei? Immerhin sagt der Kurs, dass es in dieser Welt (Illusion) kaum möglich ist, nicht mit dem Körper identifiziert zu sein. Wer das leugne, begehe eine besonders unwürdige Form der Verleugnung. Also sollen wir unser subjektives Erleben nicht leugnen, aber dennoch daran glauben, dass die Welt Illusion sei. Wie lässt sich das vereinbaren?

Ich bemerke, dass es dazu innerhalb dieser Traumwelt ganz unterschiedliche Strategien gibt. Da gibt es welche, die meinen, alles Schlimme dieser Welt als Illusion abtun zu können, um die man sich nicht weiter zu kümmern braucht. In meiner Wahrnehmung sind das aber eher wenige, meist Kursschüler, die gerade erst damit begonnen haben. Ich sehe aber viel mehr, die gern eben diese Beginner als Alibi heranziehen, um die Welt für sich doch wieder wirklich zu machen. Sie vertreten einen vermeintlichen Pragmatismus, der aber doch nur aus der Angst kommt, nämlich dass diese Welt tatsächlich nur eine Illusion, nur ein flüchtiger Traum sein könnte.

Sie nutzen die spezielle Metaphysik des Kurses, die sagt, dass die Welt uns in der Wahrnehmung zwar als wirklich erscheint, dass sie aber aus Sicht des Himmels unwirklich ist. Und so wird die Aussage, dass die Welt Illusion sei, auf eine ganz abstrakte und vermeintlich sehr weit entfernte Ebene verschoben. Jaja, die Welt ist letztlich nicht wirklich, aber das gilt doch nur für den Himmel, der doch zeitlich und räumlich so weit entfernt ist. Ist er aber nicht. Die Wahrheit, dass die Welt Illusion ist, ist genauso nahe wie die täuschende Wahrnehmung, dass sie wirklich ist. Das MUSS einfach Angst machen.

Es geht nicht darum, diese Angst zu leugnen oder zu unterdrücken, sondern zu sehen, dass wir alle ausnahmslos diese Angst haben. Aber wir sollten sie nicht dadurch verdecken, dass wir den Kurs dazu missbrauchen, unsere weltlichen Ego-Motive zu rechtfertigen. Der Kurs ist eine Geistesschulung, mit ihm können wir unsere Geisteshaltung ändern, von der Falsch- zur Rechtgesinntheit. Er gibt keine Handlungsanweisungen, auch wenn man glaubt, die herauslesen zu können. Dies würde dem Gesamtzusammenhang des Kurses völlig widersprechen.

An dem Punkt kommt häufig der Einwand, dass der Kurs doch nicht sage, man müsse sich nicht um die Illusion kümmern. Das sagt er auch nicht, und das folgt auch keineswegs daraus. Im Gegenteil, ich muss mich sehr wohl um die illusionäre Welt kümmern, denn nur mittels ihrer kann ich meine Geisteshaltung ändern. Sie ist mein Weg, meine Schule, gerade weil sie meine Projektion ist. Aus einer Geisteshaltung des Friedens und der Liebe heraus werde ich höchstwahrscheinlich anders handeln als aus einer Geisteshaltung der Angst und des Ärgers. Ich werde wahrscheinlich so handeln, dass es auch friedlich und liebevoll aussieht und wirkt. Dennoch ist die Handlung als solche ohne Bedeutung, es geht nur um die Geisteshaltung, die sich auch auf den anderen auswirkt, denn „Geister sind verbunden“.

Wenn wir aber die Handlungen und Ergebnisse für bedeutsam und entscheidend halten, investieren wir wieder in die Form und nicht in den Inhalt, wir machen die äußeren Ergebnisse zum Gradmesser für den inneren Zustand. Das ist eine Verwechslung der Ebenen, denn die Welt der Form ist immer nur Wirkung des Geistes und niemals Ursache für irgendetwas. Wenn wir Ergebnisse in der Welt erwarten und anstreben, wollen wir nicht die Illusion heilen, sondern wir wollen sie wirklich machen, was sonst? Ich könnte mir kein eindeutigeres Indiz dafür vorstellen, die Welt wirklich machen zu wollen. Eine Illusion heilen zu wollen, ist absurd. Eine Illusion kann und muss nicht geheilt werden, nur der Geist muss geheilt werden. Unser Geist. Mein Geist. Der Geist. Ich.

Aber um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Wir alle erwarten und erstreben Änderungen und Ergebnisse in der Welt. Ich auch. Ich will, dass mein Körper gesund wird, ich will meine weltlichen Probleme lösen, ich will eine andere Weltpolitik haben. Aber wir sollten uns eingestehen, dass all dies Ego-Motive sind. Wir sollten es nicht mit dem Kurs rechtfertigen, der das angeblich auch so sieht. Und ich will mir in Frieden all meine Ego-Motive anschauen, mich nicht dafür verurteilen, sondern sie mir als Irrtum vergeben. Und dann erst kann sich wirklich die Liebe entfalten, die in Wahrheit schon immer hier war.

2 Gedanken zu „DIE WELT IST ILLUSION – zumindest ein bisschen :-)“

  1. Danke lieber Tom für diesen tollen Beitrag 🙂 Es macht mir immer Spass, deine Texte zu lesen, da du Kurs-Zusammenhänge oft einfach erklären kannst, über die ich mir noch nicht im Klaren bin!
    Gerade nach dem Interview mit Frau Williamson war ich verwirrt, da sie ja als Königin des Kurses rüberkommen möchte 😉 und ich dachte, dass ja was Wahren an ihren Aussagen sein müsste….

    Daher taten deine Zeilen nun sehr gut ,und mein illusionäres Weltbild steht wieder 😉

    1. Danke, lieber Heiko! Schön, dass dein illusionäres Weltbild wieder steht! 🙂 Wir können gar nicht früh genug begreifen, dass uns diese Welt nicht glücklich machen kann. Trotzdem hoffen wir alle ausnahmslos noch drauf, denn wir alle sind hier noch mit dem Ego unterwegs. Aber gut, wenn wir erkennen, dass es das Ego ist, und wir es uns nicht mit dem Kurs rechtfertigen oder schönreden. Das Ego lässt uns ja oft auch schöne Dinge erleben, und wir brauchen uns nicht dafür verurteilen. Ich genieße sovieles in der Welt, aber ich hatte schon als junger Mensch in der größten Freude das Gefühl, dass sich das Blatt sofort wieder wenden kann Und so ist es ja auch. Inzwischen finde ich den Frieden zwischen all den positiven und negativen Emotionen interessanter, weil er tiefer ist und von innen kommt. Liebe Grüße!

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