JESUS – ABER WELCHER JESUS?

Vor ein paar Jahren fragte mich eine Freundin, die aus Interesse und Neugier mal im „Kurs in Wundern“ gelesen hatte, was ich denn glaube, welcher Jesus darin spricht. Sei es der historische Jesus, der laut Bibel vor knapp 2.000 Jahren am Kreuz starb, und dessen Geist sich jetzt aus dem „Jenseits“ melde, oder sei es der „wahre Jesus“ oder vielleicht ein ganz anderer Jesus? Oder war die Stimme, die Helen Schucman den Kurs diktierte, einfach ihr eigenes Unterbewusstsein, und sie nannte diese Stimme aus irgendwelchen Gründen heraus Jesus? Ich überlegte kurz und sagte dann, dass es für mich schlicht keine Rolle spiele. Für mich zähle vor allem der Wert der Botschaft, weniger die Herkunft. Meine Freundin war sichtlich irritiert, glaubte sie doch fest an den historischen Jesus und daran, dass er Gottes einziger Sohn sei.

An irgendeinem Punkt in unserem Leben hier stoßen wir vielleicht auf den Kurs (oder auf Advaita, Zen, Eckhart Tolle oder irgendeine andere nondualistische Lehre). Wir halten uns für eine Person, die zu einer bestimmten Zeit auf dieser Welt lebt und nehmen ein blaues Buch in die Hand, das angeblich in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts aufgeschrieben wurde – eine Zeit, in der viele heutige Kursschüler noch Kinder waren. Und dieses Buch wurde diktiert von einem gewissen Jesus, der doch vor fast 2.000 Jahren am Kreuz gestorben war, wie wir in der Schule oder der Kirche lernten. Wir versuchen also dieses Buch und seinen Urheber in einen historischen Kontext zu stellen, innerhalb einer linearen Zeit. Doch damit widersprechen wir den Grundaussagen des Kurses, nämlich dass es gar keine Zeit und keine Welt gibt. Wenn das stimmt, und wenn wir das wirklich ernst nehmen – welche Rolle spielt es dann noch, wann und von wem der Kurs aufgeschrieben wurde? Es spielt nur eine Rolle, wenn wir fest glauben, ein Körper/eine Person in der Welt und in der Zeit zu sein. Je mehr wir verstehen, was der Kurs uns lehrt, desto weniger Bedeutung hat dies für uns. Das heißt, die konkrete Form hat keine Bedeutung mehr, umso mehr aber der Inhalt. Wir sind Geist, der eine illusionäre Welt träumt, um der vermeintlichen Rache Gottes für unsere vermeintliche Trennung von ihm zu entfliehen. Und das heißt, wir haben auch Jesus, Helen Schucman und den Kurs geträumt. Warum? Für uns selbst, um uns selbst zu heilen. Um das Leid, das vom Ego kommt, zu überwinden. Also ist diese Lehre vom Heiligen Geist in uns inspiriert und initiiert. Und so können wir Jesus und den HG nutzen: entweder sehr konkret als ständige Begleiter oder abstrakt als Symbole für die bedingungslose Liebe, die in uns schlummert. Je nachdem, wie wir es grad können und brauchen.

4 Gedanken zu „JESUS – ABER WELCHER JESUS?“

  1. Lieber Tom, sehr klar und nach meinem Empfinden kurskonsequent, was du schreibst. Für mich ist Jesus und das Kurs-Buch ein Symbol für den rechtgesinnten Geist des Träumers, der alles, einschließlich des Menschen, der er hier zu sein scheint, träumt. Er lehrt sich damit selbst, scheinbar im Traum, aus dem Traum zu erwachen. 🙂

  2. Danke für deine Reflektion. Ich persönslich erlebe Jesus als eins mit mir in GOTT lebend, als mein geliebter Bruder. Das hat nichts mit dem Gekreuzigten zu tun, aber er hat den Tod überwunden, darum erlebe ich seinen Rat als wertvoll direkt, oder aus dem EKIW. Ich lebe ganz praktisch mit Jesus. Ich habe Jesus meinen Körper und Ego zur Kontrolle gegeben und auch die Führung meines Geistes. Wir sind einfach ein SELBST, ein gutes Team und liebend und alle Brüder aus dem Einssein zu segnen und in den Ring der Sühne eins mit und im VATER zu bringen

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