WAS SOLL ICH NUR TUN? – Über eine unsinnige Frage

Ich falle immer wieder darauf rein. Immer wieder stehe ich vor Entscheidungen, mal erscheinen sie banal, mal kompliziert und manchmal lebenswichtig. Und immer wieder frage ich mich: Was soll ich nur tun bzw. was soll ich nur sagen? Und jedesmal entscheide ich mich, irgendetwas zu tun oder nicht zu tun, zu sagen oder nicht zu sagen. Und häufig schwingt in der Frage mit: Was soll ich als Kurs-Schüler (als spiritueller Mensch) tun?

Ken Wapnick schreibt, dass es beim Kurs in Wundern überhaupt nicht um Handlungen geht, sondern immer nur um die Geisteshaltung. Also versuche ich in einer schwierigen Situation nicht darüber nachzudenken, was ich tun oder sagen soll, sondern ich versuche in die richtige Geisteshaltung, in die Rechtgesinntheit, zu kommen. Ich versuche, mich zunächst mit dem Heiligen Geist in mir zu verbinden, mich auf den heilen, liebenden Teil meines Geistes einzuschwingen. Er soll meine Führung übernehmen. Und dann werde ich – wenn es mir hoffentlich gelingt – irgendetwas tun oder nicht tun, etwas sagen oder nicht sagen. Ich folge einfach dem nächsten Impuls, der in mir auftaucht. Dass ich das selbst oft vergesse, muss ich nicht erwähnen, denn wie oben schon gesagt: Ich falle immer wieder drauf rein und frage mich, was ich tun soll. Das Tückische an der Sache ist, dass wir glauben, dass aus der richtigen Geisteshaltung auch die richtige Handlung (die richtigen Worte) entspringen muss. Wir glauben zuweilen sogar, dass der HG uns rät, was wir tun sollen. Oder dass er sogar etwas tut. Ich glaube aber, dass das ein Irrtum ist. Denn wir könnten niemals beurteilen, welche Handlung richtig und welche falsch war. Jede falsche Handlung kann sich später als scheinbar richtig herausstellen, und jede richtige als irgendwann falsch. Und das geht so weiter, je nachdem, wie die Dinge sich entwickeln. Und könnten wir wirklich absolut sicher sein, ob wir ganz mit dem Heiligen Geist verbunden waren? Und wenn nicht – ist dann jede Handlung zwangsläufig falsch? Ich glaube, dass die Frage, ob Handlungen überhaupt richtig oder falsch sein können, schon in sich falsch ist. Alle Handlungen und Worte als solche sind Formen und damit sind sie letztlich Illusionen. Keine Illusion kann richtiger sein als die andere. Wenn wir uns entscheiden, entscheiden wir (fast) immer zwischen zwei oder mehreren Illusionen. Die einzige bedeutsame Entscheidung ist die zwischen Ego und Heiligem Geist. Und die ist unabhängig von den Formen. Natürlich werden wir weiterhin Entscheidungen auf der Formebene treffen und bestimmte Dinge tun und sagen. Aber was immer wir machen, ist letztlich egal, entscheidend ist nur, mit welcher Geisteshaltung wir es begleiten bzw. unterlegen. Die Drehbücher des Ego sind schon alle geschrieben, aber das Drehbuch des HG auch. Es liegt quasi immer griffbereit daneben. Und so kann ich eine vermeintlich richtige Handlung mit dem Ego begleiten oder ich kann eine vermeintlich falsche Handlung mit dem HG begleiten. Letztlich gibt es keine richtigen und falschen Handlungen. Ist das nicht wunderbar? Was immer wir in unserem Leben glauben vermasselt zu haben – wir können es jetzt und immer mit dem HG anschauen. Natürlich ist das leichter gesagt als getan. Es mag Situationen geben, in denen es übermenschlich schwierig erscheint, das sind heftige Herausforderungen. Aber letztlich gilt: Es gibt keine Rangfolge der Schwierigkeit bei Wundern.

29 Gedanken zu „WAS SOLL ICH NUR TUN? – Über eine unsinnige Frage“

  1. Lieber Tom,
    sehr schön beschrieben. Ja, so versuche ich auch immer öfter vorzugehen: mich nur auf meine jeweilige Geistes-Haltung zu besinnen. Denn ein weiteres Argument dafür ist: wir handeln und sprechen eh immer aus unserer jeweiligen Geistes-Haltung, entweder aus dem Ego oder aus dem Heiligen Geist. Aus beiden Geistes-Haltungen fließen automatisch die weltlichen Handlungen, Entscheidungen und Worte, auch aus dem Ego-Geist. Und es ist immer nur dieser Ego-Geist, der, wenn er sich mal nicht sicher ist, Fragen stellt. „Was soll ich tun?“ ist immer eine Ego-Frage, denn mit dem Heiligen Geist ist Frieden in uns und keinerlei Unsicherheit. Jede weltliche Handlung basiert auf einem von beiden Geistes-Zuständen, Angst oder Liebe, und somit ist die einzig (und wirkliche) Entscheidung, die wir zu treffen haben, die Wahl zwischen diesen beiden, aus denen alles weitere automatisch erfolgt. Das macht tatsächlich alles ganz einfach, wenn auch das Aufdecken und Loslassen des Ego-Denkens oft genug nicht einfach ist. Beobachten wir es „einfach“ nur, damit ist schon ein Zurücktreten getan und unser heiler Geist eingeladen, friedvoll zu wirken. Liebe Grüße, Katja 🙂

  2. Ja, genau so ist es, liebe Katja! Wir müssen uns auch keine Gedanken machen, ob die Handlung, die dem HG entsprang, nun wirklich richtig war oder nicht. Das spielt einfach in Wirklichkeit keine Rolle, obwohl es in der Welt oft so erscheint. Wir beobachten nur uns selbst, unseren Geist. Und üben uns im Erinnern ;-).

    1. Lieber Tom, für mich ist es so, dass, bin ich im Heiligen Geist, ich mir gar keine Gedanken über die Handlung mache und auch keine Fragen nach richtiger oder falscher Handlung da sind. Das sind erneute Ego-Fragen, wenn wir wieder aus dem Heiligen Geist herausrutschen.
      Die Handlungen spielen für mich nur insofern eine Rolle, als dass über sie hier Liebe oder Angst ausgedrückt wird, denn in der Welt der Formen begegnen wir uns einfach in Formen und werden diese Geisteszustände über Formen ausgedrückt. Jedoch ist der begleitende Geisteszustand, also der Inhalt, den ich gerade der Form gebe, das Wesentliche. Denn die gleiche Form, zum Beispiel eine Umarmung, kann mal wahre Liebe ausdrücken und mal bedürftige, angstvolle, mangelleidende Liebe. Doch zugleich werde ich in wahrer Liebe sicherlich niemals die Form wählen, diese über ein körperliches Zusammenschlagen eines anderen auszudrücken. So ist also nicht jede beliebige Form geeignet, um wahre Liebe auszudrücken. und daher die Form der Handlung nicht völlig egal, oder? Gut, auf ganz abstrakter Ebene schon, wo nie etwas geschah, aber da erleben wir uns noch nicht. Für mich ist daher entscheidend, und worin wir uns einig sind, dass der Geisteszustand unsere einzige Aufgabe ist. Denn aus der wahren Liebe können dennoch so viele verschiedene Worte und Handlungen erstehen, die immer angepasst sind an die jeweilige momentane Situation. Schon 5 Minuten später im gleichen Sachverhalt oder mit einer anderen Person kann es wieder eine andere Form sein, die den immer gleichen Inhalt der wahren Liebe ausdrückt, weil nun eine andere Form gerade weltlich gesehen hilfreicher ist. Wir überlassen dies ganz dem Erstehen aus unserem heilen Geist, mit dem wir uns immer wieder verbinden.

  3. Ich gebe dir völlig Recht, Katja! Handlungen und Worte als solche haben keine Bedeutung und können nicht richtig oder falsch sein, aber durch sie wird Liebe oder Angst ausgedrückt. Das Entscheidende ist, von welcher Geisteshaltung sie getragen werden. Und insofern haben sie doch eine Bedeutung, wenn auch nur in dieser Traumwelt. Danke für die Differenzierung!

  4. Ihr Lieben,

    Was ist eine Handlung überhaupt? Die Vorstellung, in der Welt etwas zu verursachen, indem ich den Körper dafür verwende? Wenn irgendetwas mich dazu anregt, ins Handeln zu gehen, so ist es die Bedeutung, die ich selbst dem Geschehen gebe. Dann sage ich, jetzt greife ich in das Geschehen ein und werde dadurch zum Schöpfer.
    Aber was da geschieht, geschieht ganz ohne mein Handeln so wie auch ein Film ganz ohne mich sich abspult. Der Handelnde zu sein ist nur eine Vorstellung, die ich aus meiner Identifikation mit den Angelegenheiten der Welt konstruiere. Denn wenn diese Identifikation wegfällt, bleibt reines Beobachten übrig, was eine tiefe Befreiung mit sich bringt.
    In Wirklichkeit geschieht alles nur und niemand tut etwas. Weder gehe ich noch esse ich oder entscheide mich innerhalb des Traums. Nur die Interpretation des Traums hat eine Bedeutung und auch die ist nur solange von Bedeutung, wie ich dem Traum überhaupt einen Wert beimesse.
    Er wird nur noch dazu benötigt um zu lernen, wie ich ihn aufheben (lassen) kann. Dafür allerdings ist er unverzichtbar. Diese Umdeutung von “Das ist Wahrheit, was ich sehe “ in “Das ist nur, was ich glaube “ ist ohne den Traum unmöglich.
    Insofern ist auch mein Handeln ein Bestandteil dieses Lernprozesses, weil mein Handeln aufzeigt, was ich glaube.

    LG von Thomas

  5. Lieber Thomas, vielen Dank für deine Gedanken und Anmerkungen. Ich würde gern etwas differenzieren bzw. nachfragen. Ich glaube, wir sollten ausdrücklich unterscheiden zwischen der Ebene des Träumers und der der geträumten Person. Letztere ist tatsächlich kein Handelnder, ihre Handlungen sind selbst nur geträumt, sie tut also nur scheinbar etwas. Aber der Film, der vor mir abläuft und den ich beobachte, ist von mir geträumt, das heißt ich projiziere ihn selbst. Ich bin also nicht nur unbeteiligter Beobachter wie im Kino, sondern Projektor und Beobachter gleichzeitig. Und als Projektor bin ich zwar nicht innerhalb des Traums zu finden, aber ich stehe auch nicht unbeteiligt außerhalb, denn immerhin ist es ja mein Traum/Film, der quasi in mir selbst abläuft. Eben wie in einem nächtlichen Traum. Wenn wir von der „Interpretion des Traumes“ sprechen, kann das missverständlich sein, auch wenn ich glaube zu wissen, was du meinst. Ein gedankliches Interpretieren des Traums wäre aber selbst nur Teil des Traums, also auch nur geträumt. Es ist eher die geistige „Grundhaltung“ gegenüber dem Traum. Mit dem Ego in mir verbunden, werde ich in den Traum hineingezogen, wähne mich in ihm und fühle mich bedroht oder begehre alles mögliche. Mit dem Heiligen Geist in mir verbunden trete ich – bildlich gesprochen – einen Schritt zurück und werde vom unbewussten Träumer zum bewussten Beobachter, der jetzt seine Projektionen in den Traum zurücknimmt und „Verantwortung“ für seinen Traum übernimmt. Würdest du da mitgehen? 🙂

  6. Hallo Tom,

    „Mit dem Ego in mir verbunden, werde ich in den Traum hineingezogen, wähne mich in ihm und fühle mich bedroht oder begehre alles mögliche. Mit dem Heiligen Geist in mir verbunden trete ich – bildlich gesprochen – einen Schritt zurück und werde vom unbewussten Träumer zum bewussten Beobachter, der jetzt seine Projektionen in den Traum zurücknimmt und „Verantwortung“ für seinen Traum übernimmt. Würdest du da mitgehen?“

    Ja, da gehe ich ohne Vorbehalte mit. In der beobachtenden Position zu sein ist der Schlüssel zum Verstehen, was der HG ist weil ich mich im Beobachten meiner inneren Vorgänge mit IHM verbinde. In diesem Zustand bin ich nicht im Traum gefangen sondern schaue auf diesen durch die Augen des HG. Ich schaue auch eigentlich nicht auf den Traum (Das tue ich eher im nicht beobachtenden Zustand) sondern ich bin mir des Träumers bewusst und was dieser im Traum erlebt und für sich als Nutzen daraus ziehen will. Der Traum ist sein Ersatz für die Wirklichkeit und eigentlich ist es nicht der Traum, den es aufzugeben gilt, sondern dieses Nutznießen des Traumes.
    Und daran kommt man nicht heran, wenn man nicht nach innen schaut, man bemerkt es nicht einmal – abgesehen von einem ziemlich undifferenzierten Empfinden von Mögen oder Nichtmögen. Doch die ganze hintergründige Motivation bleibt im Dunkeln.
    Für mich hat sich durch die Entdeckung des Beobachters die Zweigeteiltheit des Geistes in Ego und HG als unbestreitbare Tatsache geklärt, auch wenn die Entscheidung für den Beobachter- für mich übrigens gleichbedeutend zur Entscheidung für den heiligen Augenblick- nur eine winzige Verschiebung in der Aufmerksamkeit ist.
    Gerade deshalb, weil das so unspektakulär ist sondern so einfach und natürlich, ist diese Entdeckung schwer zu machen. Tatsächlich geschieht dieser switch auch von alleine,wird aber meist nicht bemerkt. Erst wenn man den subtilen Unterschied zwischen diesen Zuständen bemerkt, steht der switch einer Entscheidung offen und kann gewählt werden.
    Wird die Wahl dauerhaft, kann man davon sprechen, immer in der Gegenwart zu sein.

    Damit habe ich mich nun doch recht weit vom ursprünglichen Thema entfernt, Ich hoffe, das macht nichts.

    Herzliche Grüße vom Cape Ann, Thomas

  7. Hallo Thomas,

    mir scheint, wir haben jetzt verschiedene Begriffe für ein – und dasselbe:
    – nach innen schauen
    – den HG wählen
    – einen Schritt zurücktreten
    – sich über das „Schlachtfeld“ erheben
    – in den „Beobachter“ gehen bzw. sich als Träumer erkennen

    all dies ist leicht gesagt, aber schwer getan aufgrund der inneren Widerstände (Angst). Wenn es aber geschieht, ist es tatsächlich sehr subtil und unspektakulär. Die Wirkung kann dennoch groß und nachhaltig sein, jedoch lässt sich diese Wirkung offenbar nicht kontrollieren.

    All dies heißt für mich auch in gewisser Weise volle Verantwortung für die Welt übernehmen. Ich projiziere dann zumindest nicht mehr in ein vermeintliches Außen, sondern quasi in mir selbst. Was ja dann keinen Sinn mehr macht. Wenn dies also vollständig und nachhaltig geschieht, gibt es – zumindest laut Kurs – keinen Grund mehr zu projizieren. 🙂

  8. Hallo Tom,

    ja, es gibt viele Umschreibungen für diesen Switch von „nach außen schauen „ zu „auf sich selbst schauen „.

    – im gegenwärtigen Augenblick sein
    – den heiligen Augenblick wählen
    – sich seiner selbst bewusst sein
    – sich an sich selbst erinnern
    – das Empfinden von „Ich Bin“
    – sich selbst erkennen

    und viele mehr.
    Gemeint ist aber immer dasselbe, was sich nur umschreiben aber nicht beschreiben lässt.

    Vielleicht ist es so, wie du sagst, dass es Angst ist, die das erschwert. Ich habe es nicht so erlebt sondern würde sagen, dass es simple Gewohnheit ist.
    Das Außen zieht magisch an und wirkt verführerisch und vielversprechend. Nach innen ist zunächst alles langweilig und ohne Reiz. Es ist wie bei der Meditation. Gedanken tauchen auf und machen ihr Tänzchen „hey schau mal, wie attraktiv ich bin“. Die Stille dahinter schweigt nur. Es dauert, bis aus ihr etwas aufsteigt und noch länger dauert es, bis es seine Faszination entwickelt. Die Stimme ist leise, sehr leise.

    Wenn man einmal mehr in diese Stille investiert – ich meine Aufmerksamkeit – als in die Welt, wird sie deutlicher werden. Es ist Hinwendung zu sich selbst, Aufmerksamkeit für dich selbst. Das erweckt dich. Endlich mal dahin schauen,wo du bist, nicht die Fremdheit.

    LG Thomas

    Was meinst du denn so, Katja ?

    1. Hallo, lieber Thomas,
      was ich so meine? Wozu genau? 😉

      Zum Thema „Handlungen in der Welt“ habe ich mich oben geäußert. Für mich liegt die Verantwortung für die Handlungen der Traumfigur im Träumer und dessen Geisteshaltung, mit der er gerade auf den Traum reagiert.

      Der Beobachter ist auch für mich der Dreh- und Angelpunkt und eure Aufzählungen weiterer Begriffe dazu passen für mich auch weitestgehend zu dem Prozess, der mit dem Innehalten und Beobachten einsetzt.

      Was das „Nach-Innen-Schauen“ angeht, da glaube ich, dass es uns schwer fällt, weil wir tatsächlich eine riesige Angst davor haben. Ja, um uns in der Trennung festzuhalten und unsere Schuld und Angst weiter zu nähren, hat das Ego es uns zur Gewohnheit gemacht nach außen zu schauen.
      Doch nach innen, so dass Ego, sollen wir auf gar keinen Fall schauen. Denn dort lauere die Strafe und Vernichtung durch Gott für die vermeintliche Trennung von ihm. Und wenn wir es wagen, nach innen zu schauen, treffen wir tatsächlich zunächst und immer wieder auf sehr erschreckende Gedanken und Gefühle. Doch gehen wir hindurch, ja, dann landen wir in Licht, Liebe und Stille. Aber das erfordert Mut, Selbstehrlichkeit und Klarheit und auch das Verständnis und Vertrauen, dass dies der Weg ist, um alles Leid ablegen zu können.

      So weit, was mir spontan kommt auf deine Aufforderung. 🙂
      Liebe Grüße an dich.

  9. Liebe Katja ,
    och ich wollte dich eigentlich nur animieren, auch was zu schreiben 🙂
    Aber am meisten hatte mich tatsächlich interessiert, ob du auch hinter den verschiedenen Begriffen im wesentlichen die gleiche Bedeutung bzw. Geisteshaltung siehst. Scheint ja so zuzutreffen.
    Das Hindurchgehen durch diese Gedanken und Gefühle, sie also zuzulassen und zu konfrontieren ohne sie abzuwehren erscheint auch mir als der wesentliche Punkt dabei. Allerdings kann man auch leicht zu einer ganz anderen Auffassung gelangen und den Kurs so verstehen, dass man über sie hinwegsehen solle um im Frieden sein zu können.
    Das finde Ich durchaus nicht eindeutig. Doch sage ich mir,dass ich nur vergeben kann, was mir ganz bewusst ist.
    Die Kapitulation vor der Frage, wie ich das Problem lösen kann, ist ein Punkt,der ebenfalls wichtig ist. Das Grübeln darüber, wie ich diesen unangenehmen Zuständen entkommen kann, weist klar darauf hin, dass ich glaube, eine eigene Lösung dafür finden zu können. Doch einfach in diesen Zuständen zu verweilen und sich nicht gegen sie zu wehren, das ist Kapitulation und Wehrlosigkeit und Vertrauen.

    Die Ostküste grüßt die Schweiz !

    1. Lieber Thomas, ich stimme dir völlig zu. Ich finde deinen Satz „…dass ich nur vergeben kann, was mir ganz bewusst ist.“ sehr wahr und stark und kann ihn aus meiner eigenen Erfahrung nur bestätigen. Und ich erlebe es durchaus überhaupt nicht als gemütlich, mich mit meinem Ego zu konfrontieren, aber bin ich durch, ernte ich in mir selbst jedes Mal mehr Klarheit, Frieden und Liebe.
      Es gibt eine immense Vielzahl an Zitaten im Kurs, die besagen, dass wir uns das Ego und seine Wirkungen gaaanz genau anschauen sollen, um WIRKLICH bereit zu werden, es loslassen zu WOLLEN. Das „Darüber-Hinwegsehen“ des Kurses in diesem Zusammenhang verstehe ich als eine andere, neue innere Haltung: sich nicht mehr vor dem Ego zu fürchten und ihm nicht mehr auf den Leim zu gehen führt uns letztlich vollkommen über es hinaus.

      Auch für mich ist Grübeln ganz klar eine Ego-Domäne und bezieht sich immer auf Formen und Handlungen. Wenn ich ehrlich mich allem in mir stellen, wie wir es jetzt beide mit dem Hinschauen beschrieben haben, dann stellt sich irgendwann innerer Frieden ein, aus dem liebevolle Handlungen, ein liebevoller, offener und ehrlicher Umgang mit allen weltlichen Situationen erfolgt, die dann nicht mehr als Problem erlebt werden. Denn es erscheint uns einzig aus dem Ego heraus etwas als ein Problem / Konflikt. Wird wahrer innerer Frieden empfunden, ist kein Problemempfinden da. Die Lösung liegt einzig in unserem Geisteshaltung: Angst oder Liebe. Und wir dringen zur Liebe durch, wenn wir alles, was sie gerade blockiert, anschauen und aufheben lassen können. Kein einfacher Weg, aber ein sehr heilsamer.
      Ich freue mich, dass wir uns auf diesem Weg gegenseitig unterstützen, herzlich, Katja 🙂

      1. Liebe Katja,

        Es gibt eine immense Vielzahl an Zitaten im Kurs, die besagen, dass wir uns das Ego und seine Wirkungen gaaanz genau anschauen sollen, um WIRKLICH bereit zu werden, es loslassen zu WOLLEN. Das „Darüber-Hinwegsehen“ des Kurses in diesem Zusammenhang verstehe ich als eine andere, neue innere Haltung: sich nicht mehr vor dem Ego zu fürchten und ihm nicht mehr auf den Leim zu gehen führt uns letztlich vollkommen über es hinaus.

        ——————————

        Zunächst untersuchen wir das Ego also genau, entscheiden uns dann, dass wir den Mist nicht mehr wollen und dann erst gehen wir daran, es loszulassen. Wobei das keine starre Zeitschiene ist sondern ein fortgesetztes Beobachten und dann das Zurückweisen der Störung. Inzwischen ist es wirklich nur noch eine Störung, wenn ich mal davon absehe, dass es auch starke Reize gibt,mit deren Zurückweisung ich mich doch etwas schwer tue- Sex z.B. und Bier.

        Hass, Ärger, Sorgen und alles, was in offensichtlicher Weise mit Schuld verknüpft ist, ist allerdings für mich eine klare Störung.

        Ich wünschte, auch bei mir würde das fleißige Betrachten des Ego eine Belohnung in Form von Frieden nach sich ziehen. Leider habe ich eher den Eindruck, dass immer mehr und immer heftiger dabei nach oben gespült wird und schließlich auch im Äußeren das Chaos ausbricht.Es ist anzunehmen, dass dies individuell sehr unterschiedlich verlaufen wird.

        Ja, Ich finde auch, das ist ein toller Austausch!

        Liebe Grüße an euch beide !

        Erlösung ist: Wenn sie im Outlet ein paar Schuhe gefunden hat.

  10. Hallo Thomas, ja, ich glaube, dass es vor allem die Angst ist, die uns davon abhält, nach innen zu schauen. Aber was ist eigentlich „innen“? Letztlich sind ja selbst unsere Gedanken außen, denn wir schauen mit dem „geistigen Auge“ auf sie. Aber sie sind insofern innen, als dass sie uns häufig nicht bewusst sind. Sie sind im Gegensatz zum Körper und all den Dingen in der Welt seltsam verschleiert. Wir müssen sie aufspüren, auf sanfte Weise, so wie von Katja beschrieben. Und diese verschleierten Gedanken und Glaubenssätze machen uns Angst, denn darin ist sehr viel Angst versteckt. Wir haben quasi Angst vor dieser Angst. Im Kurs steht aber auch: „Du hast nicht wirklich Angst vor der Erlösung. Dein wirkliches Entsetzen gilt der Erlösung“. Das ist so, weil in Gottes LIEBE niemand existiert, dort ist kein Platz für irgendeine Art von Individualität, und deshalb haben wir so Angst davor. Wenn ich wie Douglas Harding mit dem Finger auf mein Gesicht zeige, dann sehe ich dort – nichts. Hier ist in der Tat kein Platz für irgendeine Form von Besonderheit oder Individualität. Hier ist gar kein Platz für irgendeine Form. Hier ist nichts, was beschreibbar oder benennbar wäre. Vielleicht glauben wir oft, wir würden nach innen schauen, aber wir tun es gar nicht wirklich. Selbst dieser Blick in die Leere unseres Seins ist oft verschleiert von Ideen von Individualität und Besonderheit. Wir haben als Geist die Sinnesorgane projiziert, um in ein von uns getrenntes Außen zu schauen. Wir können nicht mit den Sinnesorganen nach innen schauen, aber wir können uns geistig gewahr werden, was „innen“ ist, indem wir die Richtung unserer Aufmerksamkeit umdrehen und nach innen richten. Davon hängt es ab, welche „Früchte“ wir ernten. 🙂

  11. Lieber Tom,

    du sagtest: Aber was ist eigentlich „innen“? Letztlich sind ja selbst unsere Gedanken außen, denn wir schauen mit dem „geistigen Auge“ auf sie. Aber sie sind insofern innen, als dass sie uns häufig nicht bewusst sind.

    Dann könnte man doch sagen, dass überhaupt alles, was ich beobachten kann, nicht ich sein kann. Denn wer würde dann beobachten? Was ich beobachten kann, muss eine Abspaltung sein. Gedanken sind der Beobachtung zugänglich und also außen und Gefühle sind es ebenfalls. Das einzig „Echte „ und unverzichtbare Voraussetzung für das Beobachten muss das Du sein, das sagt, es würde beobachten. Vgl. Kap 4 II Abs 11 , 5 ff

    Jetzt verstehe ich besser, was ihr mit der Angst meint, nach innen zu schauen. In den Beobachter zu wechseln ist zunächst (bei mir) angstfrei möglich. Nur wird dann ziemlich bald offenbar, dass „dort“ eine Bedrohung lauert oder wenigstens ist es doch so, dass es schnell unangenehm wird und anstrengend. Dann wechselt man lieber zurück.

    Das Paradoxe an dieser ganzen Egosch…. ist natürlich, dass ich versuche, mich selbst abzuschaffen, wenn ich das Ego abschaffen will. Das muss so aussehen, als würde ich Selbstmord begehen und dass hier Angst auftaucht, ist klar.

    Es soll einen unveröffentlichten Ausspruch des JC geben, der lautet: Ein Mensch kann wiedergeboren werden, doch muss er dafür sterben.
    Sicherlich ist die Angst vor der Schuld entsetzlich und sich dem auszusetzen ist Todesangst.

    aber wir können uns geistig gewahr werden, was „innen“ ist, indem wir die Richtung unserer Aufmerksamkeit umdrehen und nach innen richten. Davon hängt es ab, welche „Früchte“ wir ernten. 🙂

    Ganz genau.

    1. Wow, lieber Thomas, jetzt habe ich eine Gänsehaut, wie klar du es hier betreff der immensen Angst auf den Punkt bringst!!! Ja, dieser Prozess ist eine Selbstabschaffung des Selbstes, mit dem wir hier total identifiziert sind und über das wir noch das Gesicht der Unschuld und des Opferseins gelegt haben. Wenn ich absolut ehrlich in mich hineinschaue, dann gruselt es mich echt zunächst total: so viel Hass in mir, so viel Verachtung, Urteile über Urteile, Bedürftigkeit und Mangelempfinden ohne Ende, immer nur ich, ich, ich, null wirkliche Verbundenheit und Liebe mit anderen… Puuuhhhh! Ja, das muss „sterben“ (entlarvt und entlassen werden), damit die wahren Liebe wieder gewahr werden kann. Ich bin dennoch sooo gewillt, denn ich will nicht mehr leiden und leiden.

      (Nur damit du es nicht übersiehst ;-), weil unser Austausch es so spannend ist: ich habe dir oben auch nochmals geantwortet.)

  12. Hallo Thomas,

    ja, man könnte sagen, dass alles, was ich beobachten kann, nicht ich sein kann. Obwohl es in mir und von mir ist.

    Du schreibst: „Zunächst untersuchen wir das Ego also genau, entscheiden uns dann, dass wir den Mist nicht mehr wollen und dann erst gehen wir daran, es loszulassen. Wobei das keine starre Zeitschiene ist sondern ein fortgesetztes Beobachten und dann das Zurückweisen der Störung“.

    Soweit ich den Kurs und Ken Wapnick verstehe, ist das schon zuviel. Ich würde auch nicht sagen, dass ich das Ego untersuche. Ich betrachte die Gedanken und Gefühle, die da sind, aber ich versuche nicht, sie zu verstehen oder zu erklären (da fängt meist schon die Rechtfertigung an). Ich gestehe sie mir ein, aber ich versuche eben nicht, sie zurückzuweisen oder loszulassen. Das Wollen verhindert es geradezu. Ich glaube, es reicht unsere kleine Bereitwilligkeit, es anzuschauen. Das Aufheben und Loslassen geschieht dann wie von selbst bzw. von einer tieferen und größeren Dimension in uns. Natürlich ist das eine haarige Gratwanderung, denn wir wollen schließlich das Negative in uns loswerden. Vielleicht ist es Zufall, aber das Beobachten hatte den stärksten Effekt bei mir, als ich mir überhaupt nichts davon versprach :-).

    Übrigens kann es sehr erhellend sein, zu sehen, inwiefern auch unter dem Bedürfnis nach Sex und Bier Schuldgefühle liegen. Dabei kann man allerdings wieder leicht ins Analysieren kommen und vielleicht wieder Ursachen in anderen Personen suchen, was nichts anderes als eine Projektion von Schuld ist. Aber diese Mechanismen kennst du ja….

    Liebe Grüße,
    Tom

  13. Lieber Tom,

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    Soweit ich den Kurs und Ken Wapnick verstehe, ist das schon zuviel. Ich würde auch nicht sagen, dass ich das Ego untersuche. Ich betrachte die Gedanken und Gefühle, die da sind, aber ich versuche nicht, sie zu verstehen oder zu erklären (da fängt meist schon die Rechtfertigung an). Ich gestehe sie mir ein, aber ich versuche eben nicht, sie zurückzuweisen oder loszulassen. Das Wollen verhindert es geradezu. Ich glaube, es reicht unsere kleine Bereitwilligkeit, es anzuschauen.
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    Es ist eine ziemlich schwierige Frage, was unser Teil wirklich ist. Es gibt Stellen im Kurs, die ich kaum anders verstehen kann, als dass sie aktives Denken und Analysieren meinen. Z.B. die Aufforderung sich gewohnheitsmäßig zu fragen, WOZU ich etwas zu brauchen glaube. Also ein gewohnheitsmäßiges Hinterfragen von allem.
    Außerdem stelle ich mir die Frage, wer denn hier denkt und analysiert.
    Ist es nicht so, dass wir entweder mit dem Ego oder dem HG denken, dass es aber ein „Ich denke „ gar nicht gibt?
    Daher bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass die beobachtende Haltung oder der Zustand des Inwärtsgekehrtseins den Wechsel vom Ego zum HG darstellt. Das Erwachen zum Beobachter,diese kleine Verschiebung in der Aufmerksamkeit ist die Verschiebung vom Ego zum HG.

    „Ich“ denke überhaupt nicht, ich erfahre lediglich eines von zwei Denksystemen. Was ich an analytischen Gedanken erfahren mag wenn ich beobachte ist nichts weiter als das Denksystem des Heiligen Geistes bzw. des Ego, wenn ich nach außen schaue.
    Meine Anstrengung und mein Teil ist meine Wachsamkeit, die ich als der Entscheider zwischen Himmel und Hölle dem einen oder anderen widme. Die Frage ist einfach die,wohin ich schauen will – inwendig oder nach außen gerichtet.
    Analyse und Denken ist beiden Zuständen gemeinsam, jedoch ist die Quelle der Gedanken eine andere.

    Könnte das hinkommen?

    Liebe Grüße von Thomas

  14. Ich hatte noch nach einem wichtigen Abschnitt zur Bereitschaft gesucht und habe ihn jetzt gefunden:

    T2 VII 7

    Demnach wäre nur Bereitwilligkeit nicht ausreichend

  15. Lieber Tom,

    —————

    Ich glaube, es reicht unsere kleine Bereitwilligkeit, es anzuschauen. Das Aufheben und Loslassen geschieht dann wie von selbst bzw. von einer tieferen und größeren Dimension in uns.
    ———————

    Hier fand ich einen guten Hinweis, dass wir bewerten sollen :

    T8,I,2:5

  16. Lieber Thomas,

    du schreibst: „Daher bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass die beobachtende Haltung oder der Zustand des Inwärtsgekehrtseins den Wechsel vom Ego zum HG darstellt. Das Erwachen zum Beobachter,diese kleine Verschiebung in der Aufmerksamkeit ist die Verschiebung vom Ego zum HG“.

    Ja, das sehe ich genauso. Wobei das nicht heißt, dass dadurch die negativen Gedanken und Gefühle automatisch und augenblicklich verschwinden. Aber sie werden aus anderer Perspektive gesehen und dadurch kann die Identifikation mit ihnen verschwinden. Dadurch wird ihnen quasi die Energie entzogen. Das kann scheinbar schneller oder langsamer geschehen. Aus meiner Erfahrung habe ich offenbar keine Kontrolle darüber, aus dem persönlichen Blickwinkel erscheint es wie eine Gnade.

    Denken wird im Kurs nicht per se ausgeschlossen, aber eine Aufforderung zum Analysieren habe ich auch noch nicht gefunden. Auch wenn ich mich frage, wozu ich etwas denke, bewerte, fühle, muss ich nicht unbedingt analysieren. Ich schaue einfach genauer drauf und dann kann ein dahinterliegendes Motiv auftauchen. Woher das kommt, muss ich nicht analysieren, denn dadurch würde ich vermutlich nur die Ursache (und damit die Schuld) in der vermeintlichen Vergangenheit verorten. Ich muss mir nur das Motiv anschauen und damit mir auch eingestehen.

    In der Kursstelle, die du angegeben hast, heißt es: „Indessen wird nicht von dir verlangt, dass du deine Halluzinationen alleine auflöst. Du wirst nur gebeten, sie im Hinblick auf ihre Ergebnisse für dich zu bewerten. Wenn du sie nicht willst, weil sie dir den Frieden rauben, werden sie für dich aus deinem Geist entfernt“.

    Das passt doch gut zu dem, was ich geschrieben hatte :-). Die Bewertung lautet einfach nur: bringt es mir Angst oder Frieden? Klar, es braucht unseren Willen, keine Angst und Schuld mehr zu fühlen. Mehr ist aber nicht nötig.

    Liebe Grüße,
    Tom

  17. Was die Frage angeht, wer oder was eigentlich denkt – da geht der Kurs einfach praktisch ran. Der denkt, für den ich mich grad halte :-). Letztlich ist der zwar eine Illusion, da es eben keinen separaten Denker bzw. ein separates Ich gibt, aber der Kurs setzt eben in der Ego-Welt an und holt uns da ab, wo wir zu stehen glauben.

  18. Lieber Tom,

    ———————

    Denken wird im Kurs nicht per se ausgeschlossen, aber eine Aufforderung zum Analysieren habe ich auch noch nicht gefunden. Auch wenn ich mich frage, wozu ich etwas denke, bewerte, fühle, muss ich nicht unbedingt analysieren

    ————————-

    Ja, das ist nicht unbedingt nötig, da gebe ich dir völlig recht.
    Auch wenn eine Aufforderung zum Analysieren nicht explizit auftaucht, analysiert der Kurs das Ego sehr eingehend. Da ich keinen Grund sehe, dass er das grundlos tun würde, sehe ich das als Versuch an, dem Leser die Arbeitsweise des Ego vor Augen zu führen und deutlich zu machen, dass sie auf falschen Anfangsvoraussetzungen beruhen. Logisch ist sie, aber nicht wahr.
    Das zu begreifen ist wichtig. Das Denken wird als grundlegend beschrieben und es soll ja das Denken verändert werden, weil es die Welt erschafft, die ich sehe. Eine Überzeugung ist die Quintessenz eines Denkprozesses.

    Ich will auf folgendes hinaus:
    Der Kurs benutzt alle Ebenen, denen die Wahrnehmung zugrunde liegt, die er berichtigen will. Wir nehmen denkend und fühlend wahr. Richtiges (rechtgesinntes) Denken ist das Mittel, um eine korrekte Wahrnehmung zu erzielen.
    Daher glaube ich schon, dass wir uns auch denkend mit dem Ego auseinander setzen müssen. Was aber nicht heißt, dass wir nur denkend mit dem Kurs umgehen. Doch auf der Ebene der Bildung wahrheitsgemäßer Überzeugungen ist das Denken entscheidend.

    Im Falle der Entscheidung, ein Schuldgefühl nicht mehr zu wollen, sondern es für uns entfernen zu lassen, muss zunächst über einen Denkprozess festgelegt werden, dass es keinen Grund gibt, sich schuldig zu fühlen sondern dass dies im Gegenteil etwas ist, das ich nicht will. Wir benötigen einen Grund, das zu glauben. Andere Denkprozesse, die des Ego nämlich, haben zuvor das Gegenteil festgelegt. Durch das Denken habe ich den Kurs verinnerlicht und glaube (bejahe) nun die Auslegung des Kurses, was die Schuld betrifft.

    Denkprozesse führen zu Überzeugungen und diese lassen uns dann Entscheidungen treffen, ohne dass es eines erneuten Durchdenkens bedarf. Jedenfalls scheint mir das der Prozess zu sein, solange man sich außerhalb der Erkenntnis befindet, die erst ein Denken mit Gott sicherstellt. Das Bilden von rechtgesinnten Überzeugungen ist daher nur ein Notbehelf, dessen Ziel es ist, die Wahrnehmung zu korrigieren und sich so der Wahrheit so weit wie möglich anzunähern.

    Zusammengefasst: Richtiges Denken führt zu richtigen Überzeugungen und diese dann zu der richtigen Bewertung dessen, was durch Beobachtung der inneren Vorgänge wahrgenommen wird. Das zugrundeliegende Denksystem muss von der Wahrheit inspiriert sein, um zu wahrheitsgemäßen Überzeugungen zu führen- dem Denken des HG nämlich.

    Lieben Gruß vom Thomas

  19. Lieber Tom
    Ich stimme dir, was den ersten Teil deines Textes betrifft, vollständig zu. Es kommt auf die innere Haltung an und dann muss ich mir um mein Handeln keine Sorgen machen. Wunderschön: „Ich folge einfach dem nächsten Impuls, der in mir auftaucht.“ Damit ist für mich alles gesagt.

    Tückisch wird es für mich nur, wenn das Ego versucht diese einfache Tatsache infrage zu stellen. Und es ist das Ego, das fragt, ob es richtige oder falsche Handlungen gibt, oder?

    Was also würde ich meinem Ego, das ja auf der Suche nach der Wirklichkeit ist, auf diese Frage antworten?
    „Du bist im Traum sehrwohl dafür verantwortlich, wenn du durch deine Handlungen Hass, Trennung, Schmerz und Angst verbreitest. Sie sind falsch! Und du kannst nicht einfach spirituelles Wissen um letztendliche Vergebung und die Illusion aller Formen dazu benutzen, zu sagen, dann sei es ja egal, was du tust.
    Lieben Gruß, Micha.

  20. Lieber Tom
    Ich stimme dir, was den ersten Teil deines Textes betrifft, vollständig zu. Es kommt auf die innere Haltung an und dann muss ich mir um mein Handeln keine Sorgen machen. Wunderschön: „Ich folge einfach dem nächsten Impuls, der in mir auftaucht.“ Damit ist für mich alles gesagt.

    Tückisch wird es für mich nur, wenn das Ego versucht diese einfache Tatsache infrage zu stellen. Und es ist das Ego, das fragt, ob es richtige oder falsche Handlungen gibt, oder?

    Was also würde ich meinem Ego, das ja auf der Suche nach der Wirklichkeit ist, auf diese Frage antworten?
    „Du bist im Traum sehr wohl dafür verantwortlich, wenn du durch deine Handlungen Hass, Trennung, Schmerz und Angst verbreitest. Solche Handlungen sind falsch! Und du kannst nicht einfach spirituelles Wissen um letztendliche Vergebung und die Illusion aller Formen dazu benutzen, zu sagen, dann sei es ja egal, was du im Traum tust. Dann übernimmst die keine Verantwortung für deine Macht als Sohn Gottes, für deine Macht fehlzuerschaffen.
    Lieben Gruß, Micha.

  21. Lieber Micha,

    es ist das Ego, das zwischen richtigen und falschen Handlungen unterscheidet. Es mag auch das Ego sein, das fragt, ob es richtige und falsche Handlungen gibt. Aber diese Frage ist vielleicht schon ein Schritt zurücktreten, ein In-Frage-Stellen dessen, was bislang selbstverständlich schien.

    Ich glaube aber nicht, dass es das Ego ist, das auf der Suche nach der Wirklichkeit ist. Im Gegenteil – es will die Wirklichkeit um jeden Preis vermeiden! Sein Motto ist laut Kurs: „Suche, aber finde nicht!“ Es ist der heile Teil unseres gespaltenen Geistes, der tatsächlich die Wirklichkeit will, der sich danach sehnt.

    Ich bin tatsächlich verantwortlich für alles, was ich im Traum wahrnehme. Allerdings scheint es oft nur so, als ob Handlungen Hass, Trennung, Schmerz und Angst verbreiten. All dies sind nur Wirkungen des Geistes, nicht von Handlungen. Das sieht man schon ganz weltlich daran, dass wir auf die gleiche Handlung (eines anderen) völlig unterschiedlich reagieren, je nachdem in welchem Geisteszustand wir sind. Das kennst du garantiert auch, Micha.

    Was genau ist mit „fehlerschaffen“ gemeint? Letztlich ist ja jede Form in der Welt fehlerschaffen, denn Formen können niemals die formlose Wirklichkeit ersetzen. Wenn man nun sagt, es gebe keine richtigen und falschen Handlungen, heißt das nicht, dass es egal sei, was man im Traum tut. Entscheidend ist aber nicht das Tun, sondern die Geisteshaltung dahinter. Wir sollten immer wieder nur die anschauen – und zwar nur bei uns selbst. Wenn wir in einer friedvollen, liebevollen Geisteshaltung sind, wird daraus wahrscheinlich nichts entstehen, was man eine „falsche Handlung“ nennen würde. Wir werden höchstwahrscheinlich nicht jemand anderen schlagen oder verbal angreifen. Nun sind wir aber nunmal häufiger im Ego- als im HG-Modus und manchmal scheinen wir dabei andere zu verletzen. Ob der andere sich tatsächlich verletzt fühlt, ist wiederum seine Sache. Wenn er gekränkt ist und uns für den Schuldigen hält, dann geben wir ihm, was er in diesem Moment zu brauchen scheint – nämlich eine Entschuldigung. Das können wir aus dem HG heraus tun, obwohl wir wissen, dass es letztlich keine Schuld gibt. Und wenn der andere uns dennoch angreift, können wir entscheiden, ob wir einen Angriff oder einen Ruf nach Liebe sehen. Immer ist jedoch die Geisteshaltung dahinter das Entscheidende, nicht die Handlung als solche. Weißt du, was ich meine? 😉

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