Das „TORLOSE TOR“ – oder auch die „HIMMELSPFORTE“

Das „torlose Tor“ ist ein Koan aus dem Zen-Buddhismus, das eine Paradoxie beschreibt. Man kann es so verstehen, dass wir hier im Samsara (der Welt) sind und hinübergelangen wollen ins Nirwana (den Himmel). Dazu aber – so glauben wir – müssen wir erst durch ein Tor, um in jenes andere Reich zu gelangen. Wenn es uns schließlich gelingt, mittels Sartori (Erleuchtung/Erlösung) das Tor zu passieren, blicken wir auf der anderen Seite noch einmal zurück und sehen erstaunt, dass da gar keine andere Seite ist. Und auch kein Tor. Da war nie ein Tor, und doch erschien es uns so. Deshalb spricht man vom „torlosen Tor“. Im Kurs in Wundern ist von der „Himmelspforte“ die Rede, und hier finden wir das gleiche Paradoxon.

Wir wähnen uns in einer Welt, die in Wirklichkeit nicht existiert und wir streben danach, durch Vergebung und mit Hilfe des Heiligen Geistes in die „wirkliche Welt“ und dann, durch GOTTES letzten Schritt, in den HIMMEL zu kommen. Die „wirkliche Welt“ ist das Ziel des Kurses und der Abschluss meines scheinbar individuellen Weges. Es ist, als würde ich auf der Schwelle des torlosen Tores stehen und mich noch einmal umblicken und nun eine Welt erblicken, die in das strahlende Licht getaucht ist, das von jenseits des Tores auf das Diesseits fällt. Dieses Licht entspricht dem ANTLITZ CHRISTI und in ihm sind alle meine Brüder, wie auch ich selbst, vollkommen unschuldig. Jetzt erkenne ich, dass wir wirklich alle untrennbar eins sind und immer schon waren. Jetzt sehe ich, dass all dies nur mein eigener, nun endlich auch glücklicher Traum ist.

Und wenn schließlich GOTT den letzten Schritt tut und ich ganz hinübergelange (natürlich im geistigen, nicht im körperlichen Sinne), werde ich sehen, dass diese Welt, das Tor und seine Schwelle verschwunden und niemals gewesen sind. Dann bin ich im Gewahrsein der vollkommenen Einheit mit GOTT. Sind da jetzt noch andere Fragmente meines Geistes, die weiter auf der anderen Seite des torlosen Tores warten? Heißt es nicht im Kurs in Wundern, dass erst, wenn die WIEDERKUNFT CHRISTI und das JÜNGSTE GERICHT vollendet sind, wenn also alle Fragmente der SOHNSCHAFT kollektiv ihren Geist geheilt haben, die SOHNSCHAFT als eins erwacht? Oder ist mit meinem Passieren des torlosen Tores, also der Himmelspforte, nicht schon alles vollbracht? Schließlich heißt es auch im Kurs, dass es nur einen einzigen Lehrer GOTTES braucht für das Erwachen! Ja, doch obwohl es nur eine Wahrheit, nämlich den HIMMEL, gibt und obwohl auch die „wirkliche Welt“ und die Himmelspforte noch zum Bereich der Illusion gehören, ist in gewisser Weise beides richtig.

Das Kurs-Konzept, das unseren Verstand völlig aushebelt, ist, dass wir uns zwar in einer Welt wähnen, die uns so real und schmerzhaft wirklich erscheint, dass aber gleichzeitig dieser unser Weltentraum bereits lang vorüber ist und in Wahrheit niemals stattgefunden hat. Nur die Wirklichkeit existiert, und doch können wir unser illusionäres Erleben nicht verleugnen. Und so komme ich zum Schluss, dass wenn mein geträumtes Leben endet (und es wird nicht mit dem angeblichen Tod enden, sondern mit meinem Erwachen), dann ist auch die Welt vorüber, als wäre sie nie gewesen. Ich muss dann auf keine nachfolgenden Fragmente des Geistes, keine anderen Brüder, warten, denn JETZT gibt es keine lineare Zeit und somit kann kein Fragment, kein Bruder, vorausgegangen sein oder nachfolgen. Mein Geist war schon immer heil, auch als ich ihn für gespalten hielt. Und das gilt auch für allen anderen scheinbaren Fragmente des Geistes, denn in Wahrheit gab und gibt es immer nur einen Geist, einen SOHN, der völlig eins mit GOTT ist.

6 Gedanken zu „Das „TORLOSE TOR“ – oder auch die „HIMMELSPFORTE““

  1. Grossartig, lieber Tom! Dankeschön für diesen tollen Vergleich der beiden „Tore“! Wie heisst es doch gerade heute, am Tag 164: „Jetzt sind wir EINS mit IHM- DER unsere QUELLE ist!“ Und so bleibt es, weil es „zurück“ nicht mehr gibt!!!! Danke für deine liebevollen, wahren Gedanken!

  2. Hey lieber Tom, das ist eine so wunderbare Beschreibung, welche in mir weit über das konzeptionelle Verstehen hinaus etwas bewegt. Ich danke dir sehr! 😌

    1. Vielen Dank, lieber Walter! Ja, das wirkliche Verstehen geht meist weit über die reinen Worte und Gedanken hinaus, egal ob es poetische oder rationale Worte sind. Immer wieder wird es solche Momente geben, in denen es nochmal tiefer geht. Verrückt – wir nähern uns vorsichtig und langsam dem, was eigentlich eh schon ist und immer war :-).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.