Soll ich die Welt verändern?

„Ein Kurs in Wundern“ ist sehr kompromisslos, was Handlungen in der Welt angeht. Auch wenn wir uns unzählige Male am Tag fragen, was wir tun oder sagen sollen, so geht es im Kurs nie um unsere Handlungen in der Welt, sondern nur um unsere innere geistige Haltung. Aber was heißt das genau, wie können wir das überhaupt praktizieren?

Eine vielzitierte Stelle im Kurs besagt: „Suche deshalb nicht, die Welt zu ändern, sondern entscheide dich, dein Denken über die Welt zu ändern“ (T-21.Einl.1:7)

Mein Denken über die Welt, also über andere Menschen, Dinge und Situationen, besteht zu einem großen Teil aus Urteilen, Bewertungen, Analysen und Vergleichen. Dieses ist gut, jenes schlecht, dies ist besser als das. Und in all dies fließen meine Erinnerungen ein, die ich damit verbinde. Ich sehe alles durch die Brille meiner vergangenen Erfahrungen.

Wie würde nun ein im Sinne des Kurses verändertes Denken über die Welt aussehen? Würde ich anders urteilen, bewerten, analysieren und vergleichen? Würde ich komplett die Vergangenheit ausblenden? Wäre das überhaupt möglich?

Ich glaube, dass im Kurs mit dem veränderten Denken über die Welt kein Nachdenken über die Welt gemeint ist. Im Wort „Nach-Denken“ steckt implizit die Vergangenheit. Ich denke über etwas nach, nachdem es vergangen ist.

Was gemeint ist, ist schlicht eine andere geistige Grundhaltung. Einfach gesagt ist es der Wechsel von der Angst zur Liebe. Doch was dahinter steckt, ist die Entscheidung, keine Schuld (und damit keine Ursachen) mehr im Außen zu sehen. Ich bin kein Opfer, und dort draußen sind keine Täter (was nicht nur einzelne Menschen, sondern auch Völker, Rassen, Gesellschaftsschichten, die Natur, das Schicksal oder Gott beinhaltet). Umgekehrt bin ich auch kein Täter, und dort draußen sind keine Opfer.

Diese Welt ist mein Traum, inklusive meiner scheinbar individuellen Person. Wenn ich das bis in die Tiefe erkenne und akzeptiere, übernehme ich die volle Verantwortung für meinen Traum, und nun gibt es keine Grundlage mehr dafür, irgendwo und in irgendwem Schuld zu sehen. Ziel des Kurses ist, dem Geist seine Ursächlichkeit zurückzuerstatten.

Dies ist bereits das veränderte Denken über die Welt. Es ist total einfach und doch äußerst schwierig, denn das Ego-Denksystem der Trennung, Schuldzuweisung (Projektion) und Verdrängung ist tief in uns verankert.

Aber wenn ich wirklich nun anders auf diese Welt schauen kann, ist dies das berichtigte Denken, das Wunder, der heilige Augenblick, die „Sühne“. Begriffe, die alle mehr oder weniger dasselbe meinen.

Und nun, aus dieser anderen geistigen Grundhaltung, werde ich anders denken, ich werde auch anders über die Welt „nachdenken“. Ich werde anders sprechen und handeln, auch wenn ich das nicht konkret absehen kann. Aber was ich sagen und tun werde, wird in Ordnung sein. Es wird gut und hilfreich sein.

7 Gedanken zu „Soll ich die Welt verändern?“

  1. Lieber Tom,

    „Doch was dahinter steckt, ist die Entscheidung, keine Schuld (und damit keine Ursachen) mehr im Außen zu sehen.“

    Das ist zweifellos der Weg, den der Kurs meint.
    Zuerst höre ich auf, das Problem (die Schuld) zu projizieren und erkenne, dass es in mir ist und nicht außerhalb von mir.
    Nun wäre der 2.Schritt ja die Berichtigung der eingebildeten Schuld, die nicht mir, sondern dem HG obliegt. Ich bin nur bereitwillig, das geschehen zu lassen.

    Zur Zeit, und das nun schon ziemlich lange, mache ich damit so schlechte Erfahrungen, dass ich richtig krank geworden bin.
    Denn wenn ich aufhöre, meine Abwehrmaßnahmen aufrecht zu erhalten (zu projizieren), höre ich auch auf, die Schuld zu verdrängen und es ist nur logisch, dass sie mich dann mit voller Wucht trifft. Ich bin seither immer davon ausgegangen, dass der große Therapeut im Hintergrund, dem ich das Problem anbiete, sie nun von mir nimmt, aber das passiert nicht.
    Es ist nun aber wirklich schwer, einem Weg zu vertrauen, der in die Krankheit führt und in große seelische Qualen. Offensichtlich verstehe ich also diesen Weg nicht, obwohl ich den Kurs seit 15 Jahren studiere und praktiziere. Oder diese Reaktion ist „normal“, doch wo ist dann die Sanftheit, die Leichtigkeit, die der Kurs immer verspricht?
    Für mich ist da keinerlei Erlösung spürbar sondern eine immer heftiger werdende Hoffnungslosigkeit. Ich habe noch nie so gut verstanden, dass Abwehrmaßnahmen ein Schutzschild gegen das innere „Ich bin schlecht“ sind und erfahre das sehr drastisch.
    Aber ohne Hilfe ist das nicht zu ertragen und ich fühle mich gezwungen, mich wieder durch Abwehr zu schützen.

    LG von Thomas II

    1. Lieber Thomas,

      es tut mir leid, dass es dir derzeit so schlecht geht. Ich habe auch einmal sehr heftig erlebt, wie es sich anfühlt, wenn man zwar die Schuld von der anderen Person abzieht, sie aber sogleich auf die eigene Person schiebt. Das fühlte sich grauenhaft an.

      Glücklicherweise kam damals der Umschwung ganz plötzlich und ich konnte sehen, dass alles in mir selbst war, ich träumte dieses Wechselspiel der Schuld zwischen der einen und der anderen Person. Und das hob jegliche Schuld augenblicklich auf. Aber das war ein extremes Erlebnis. Es funktioniert nicht immer so, manchmal gar nicht. Ich denke, dass dies mit dem unbewussten, inneren Widerstand und der Angst zusammenhängt.

      Ich glaube, dass in deinem Fall die Angst und die Schuldgefühle so groß sind, dass du wirklich therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen solltest. Alles ist hilfreich, was erstmal auch die Angst verringert.

      Ich denke aber nicht, dass dich der Weg des Kurses (oder allgemein der Spiritualität) in diese Krankheit und in die seelischen Qualen geführt hat. Es ist letztlich nur dein eigener Traum, und ob dir der Kurs nun hilft oder nicht, ist auch Teil deines Traums. Warum nun dein Weg so schmerzhaft erscheint, weiß ich auch nicht. Ich habe aufgegeben, irgendwelche Ursachen in der Welt zu suchen. Aber ich glaube, dass letztlich keiner von uns scheitern wird.

      Ich hoffe wirklich sehr, dass es dir bald wieder besser geht! In dem Kurs-Zusatz „Psychotherapie und das Lied des Gebetes“ heißt es sinngemäß, dass schon sehr viel Kraft und Heilung darin liegt, wenn ein Klient zum Therapeuten geht und sagt, dass er Hilfe braucht. In dieser Bitte ist bereits eine große Chance zur Öffnung gegeben.

      Alles Liebe und bis bald,

      Tom

  2. Lieber Thomas, das hört sich sehr sehr schwer an und niemand außer dir kann wirklich herausfinden, warum du scheinbar in der Schuld hängenbleibst. Ich kann nur vermuten und mit dir teilen.

    Ich kenne es auch, dass die Schuldgefühle (gepaart mit vernichtender Angst, Hass, Angriffslust, heftiger Verurteilung, Selbstvernichtungsgefühlen) in mir so intensiv werden können, dass ich sie „viel lieber“ wieder projiziere. Doch tue ich das nicht (denn dann geht der ebenso schmerzhafte Ego-Kreislauf weiter) und werde ich wirklich wirklich bereit, Schuld grundsätzlich loszulassen, nicht mehr an meinem Welt- und Selbstbild (als getrenntes böses Mangelwesen) und meinen Werten festzuhalten, nicht mehr die Kontrolle über mich und die Geschehnisse der Welt haben zu wollen, voll in das „Ich weiß nichts (mit dem Ego)“ zu gehen, dann geschieht der Wechsel in mir. Es bedarf absolut meiner Bereitschaft, denn es kann nichts von mir genommen werden, an dem ich doch noch klammheimlich hänge.

    Was ich dabei bei mir ganz klar beobachte ist, dass es mir völlig egal werden muss, was, resultierend aus dem Loslassen der Schuld und dem Eintreten des Friedens, mit mir und in der Welt geschieht… und das ist bei mir sehr häufig ein Fallstrick, weil ich dann meine, Opfer zu werden, mich verbiegen zu müssen oder etwas tun zu müssen, was ich (mit dem Ego) nicht will. Doch wage ich den Schritt in mir, habe ich mich dann noch nie als Opfer gefühlt oder etwas als gegen meinen Willen empfunden, sondern nur als befreit, problemfrei und in Klarheit über eventuelle Schritte in der Welt ohne Angst.

    Mir hilft es auch, all das an den scheinbar „kleinen“ Dingen auch anzuwenden, in die mein Ego nicht ganz so heftig investiert, um Erfahrung, Mut und Vertrauen zu sammeln für die „großen, schwierigeren“ Egoverwicklungen.

    Und natürlich ist es ein ewiges Dranbleiben, ein Beobachten meiner inneren Schwankungen. Es ist leider nicht mit einem Mal getan, weil unsere Angst und Schuld so tief sind und es hier ein Prozess ist, sie konkret ans Licht zu holen und aufzugeben. Das müssen wir tun, der heile Geist ist „nur“ die Präsenz des Friedens, die uns wieder einnimmt, wenn wir bereit für das Loslassen des Egos in unserem Geist werden. Wir müssen den Raum in unserem Geist frei geben.

    Lieber Thomas, vielleicht war etwas dabei, indem du dich wiedererkennst. Und gerne berichte mal, wie du ganz konkret anhand einer Situation vorgehst und was dich dabei bewegt, wenn du magst. Dann können wir mit dir dorthin gehen.
    Sei herzlich gegrüßt, Katja

  3. Danke, ihr beiden.
    Ich kann momentan nur wenig dazu sagen und muss die letzten Monate erst einmal mit Abstand betrachten können, um sie im Großen Ganzen einordnen zu können.

    LG Thomas II

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